Flüchtlingspolitik

Merkels Entscheidung – Wie eine Nacht das Land verändert

| Lesedauer: 17 Minuten
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lässt sich im September 2015 nach dem Besuch einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber für ein Selfie zusammen mit einem Flüchtling fotografieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lässt sich im September 2015 nach dem Besuch einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber für ein Selfie zusammen mit einem Flüchtling fotografieren.

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Vor einem Jahr lässt die Kanzlerin Tausende Flüchtlinge ohne große Kontrollen ins Land kommen. „Wir schaffen das“, sagt sie bis heute.

Berlin.  Es ist die Nacht vom 4. auf den 5. September 2015, in der Bundeskanzlerin Angela Merkel eine folgenschwere Entscheidung trifft. In Ungarn wird das Versagen der Europäischen Union (EU) in der Flüchtlingspolitik gerade für alle Welt sichtbar, der rechtsnationale Ministerpräsident Victor Orban verschärft die Lage mit Zäunen und Abschottungsrhetorik.

Tausende Flüchtlinge, viele davon aus dem Bürgerkriegsland Syrien, flehen um Hilfe. Erschöpft, verzweifelt, traumatisiert – mit einem Rest an Energie schaffen es manche, zu Fuß auf Autobahnen und Bahngleisen gen Westen zu laufen.

Eine unbürokratische Entscheidung

CDU-Chefin Merkel und Österreichs damaliger sozialdemokratischer Kanzler Werner Faymann befürchten Tote. Sie entscheiden, die Menschen unbürokratisch in ihre Länder zu lassen. Was eine Ausnahme sein sollte, entwickelt über Wochen und Monate eine eigene Dynamik. Merkel sagt: „Wir schaffen das.“ Sie sagt es bis heute.