Rumänien-Reise

Bundespräsident Joachim Gauck fordert Bekenntnis zu Europa

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Christian Kerl
Bundespräsident Joachim Gauck (r.) wird durch den Präsidenten von Rumänien, Klaus Johannis am mit militärischen Ehren begrüßt.

Bundespräsident Joachim Gauck (r.) wird durch den Präsidenten von Rumänien, Klaus Johannis am mit militärischen Ehren begrüßt.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Joachim Gauck spricht bei seinem Besuch in Rumänien Klartext. Dabei unterstützt wird er von einer Größe in der deutschen Rockmusik.

Bukarest.  Joachim Gauck hat kaum Platz genommen im holzgetäfelten Saal des rumänischen Präsidentenpalastes, da spricht er seine größte Sorge an: „Wir treffen uns in Zeiten, wo es Europa nicht gut geht“, erklärt der Bundespräsident seinem rumänischen Amtskollegen Klaus Johannis. „Wir zittern alle, wie die Briten entscheiden.“ Beim ersten Staatsbesuch Gaucks in Rumänien gäbe es zwar viele Themen zu besprechen, aber im Mittelpunkt steht doch die schwierige Lage der EU angesichts des britischen Referendums.

Gauck nutzt bereits den ersten Tag seiner Reise, die ihn später auch nach Bulgarien und Slowenien führen wird, um einen Appell an alle Europäer zu richten: Gerade in Zeiten wie diesen sei es wichtig, „dass sich die Europäer zu einem klaren Bekenntnis zu Europa zusammenfinden“, fordert er. Auch seinen eigenen Besuch will Gauck als Bekenntnis zur europäischen Idee verstanden wissen – an diesem Dienstag will er in Bukarest eine europapolitische Grundsatzrede halten. Eine Botschaft hat er vorab angedeutet: Das Tempo einer immer tieferen Integration müsse gedrosselt werden – erst gelte es, die skeptische Bevölkerung mitzunehmen.

Auch Peter Maffay reist mit

Dabei herrscht bei Gaucks Besuch auch jenseits von Europa kein Mangel an Gesprächsthemen. Er spricht schnell den wunden Punkt an: Unternehmen bräuchten verlässlichere Rahmenbedingungen. Die Korruption ist in Rumänien weiterhin ein großes Problem, das auch den wirtschaftlichen Aufbau bremst. Gauck lobt zwar, dass Präsident Johannis und die Regierung des parteilosen Ministerpräsidenten Dacian Ciolos sich für Reformen einsetzten, die Antikorruptionsbehörde DNA leiste erfolgreiche Arbeit. Doch bei den jüngsten Kommunalwahlen unterlag die liberale PNL des Präsidenten den Sozialdemokraten, obwohl die von unzähligen Korruptionsskandalen erschüttert sind.

Gauck macht aus seiner Verwunderung über das Wahlergebnis, das etliche der Korruption verdächtige Kommunalpolitiker in Ämter brachte, keinen Hehl: Aber Mentalitäten wandelten sich eben langsam, meint er. „Das größte Problem ist die Korruption“, klagt auch Peter Maffay. Der in Rumänien geborene und als 14-Jähriger mit seinen Eltern nach Deutschland ausgewanderte Sänger nimmt als Gast an Gaucks Reise teil. Seit einigen Jahren engagiert er sich mit einer Kinderstiftung in seinem Heimatland. Dabei hat er erlebt: „Es gibt noch viel Vetternwirtschaft, viele Seilschaften, die in erster Linie an sich denken.“

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