Berlin

Wer schon alles Bundespräsident werden wollte

Berlin.  Die Geschichte der Bundesversammlung ist auch eine Geschichte des Scheiterns. Viele Politiker wollten Bundespräsident werden, nur elf schafften es. Zu den prominentesten Verlierern gehört auch ein SPD-Vorsitzender: Kurt Schumacher trat 1949 gegen das spätere Staatsoberhaupt Theodor Heuss (FDP) an – und musste sich im zweiten Wahlgang geschlagen geben. Schumacher wäre sicherlich ein unbequemer Präsident der Bonner Republik geworden. Als Oppositionsführer nannte er etwa Konrad Adenauer „Bundeskanzler der Alliierten“ – und wurde dafür 20 Tage aus dem Bundestag verbannt. Zehn Jahre später versuchte es erneut ein SPD-Kandidat. Der intellektuelle Carlo Schmid unterlag klar dem Unions-Kandidaten Heinrich Lübke.

Enger war die Wahl 1969: Dem CDU-Politiker Gerhard Schröder, Verteidigungsminister und zuvor bereits Außenminister, fehlten nur ein paar Stimmen – schließlich wurde mit Gustav Heinemann jedoch zum ersten Mal ein Sozialdemokrat Staatsoberhaupt der damals noch jungen Bundesrepublik. Deutschland wartet allerdings immer noch auf die erste Frau im Schloss Bellevue. Bisher stellten die großen Parteien nur Frauen auf, wenn die Chancen eher gering waren: So kandidierte Dagmar Schipanski 1999 für die Union und Gesine Schwan 2004 und 2009 für die SPD.

Es gibt übrigens drei Kandidaten, die im ersten Anlauf scheiterten – und später doch noch Staatsoberhaupt wurden. Richard von Weizsäcker trat 1974 für die Union an. Doch SPD und FDP entschieden sich für den Liberalen Walter Scheel. Weizsäcker amtierte dann von 1984 bis 1994, wurde einer der bedeutendsten Präsidenten der Bundesrepublik. In Erinnerung bleiben wird unter anderem seine Rede zum Kriegsende, die er 1985 hielt, als er den 8. Mai 1945 einen „Tag der Befreiung“ nannte.

Auch Johannes Rau (SPD), der 1999 Staatsoberhaupt wurde, scheiterte fünf Jahre zuvor noch in der Bundesversammlung. Diese wählte vor allem mit den Stimmen von Union und FDP den ehemaligen Verfassungsrichter Roman Herzog, der später seine berühmt gewordene Ruck-Rede hielt.

Und auch der amtierende Bundespräsident Joachim Gauck wurde erst bei seiner zweiten Kandidatur gewählt. 2010 entschied sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegen Gauck – und für ihren Parteifreund Christian Wulff.

Die Linke sorgt sich nicht nur gesellschaftlich um Außenseiter, sondern auch bei der Kandidatenfindung. Die Partei wollte in vielen Bundesversammlungen ihre Eigenständigkeit betonen – und stellte eine dezidiert linke Persönlichkeit auf. 2009 war es Tatort-Schauspieler Peter Sodann, der sich als „betender Kommunist“ bezeichnete und – wenn er wirklich Kommissar wäre – gern Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verhaftet hätte. Zur Gauck-Wahl 2012, auf die sich Union, SPD, FDP und Grüne verständigt hatten, bot die Linke die Nazijägerin Beate Klarsfeld auf. Die wurde unter anderem dadurch bekannt, dass sie 1968 dem damaligen Kanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) eine Ohrfeige gab. Vielleicht stellt die Linke ja 2017 ihren Ex-Fraktionschef Gregor Gysi auf. Für Unterhaltung wäre dann gesorgt.

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