Wenn es um Computer geht, ums Programmieren, um soziale Netzwerke oder sichere E-Mails, dann ist Günter Voß gefragt. Der 67 Jahre alte Berliner, der bis zu seiner Pensionierung in der Filmwirtschaft tätig war, gehört zum Leitungsteam des „Seniorencomputerclubs Berlin-Mitte“. Ehrenamtlich gibt er dort Kurse, führt Beratungen durch, lässt sich Projekte einfallen. Um auf dem Laufenden zu bleiben, nimmt er auch selbst an Fortbildungen teil. Beim Hasso-Plattner-Institut zum Beispiel hat er kürzlich ein Seminar absolviert, in dem es um sichere E-Mails ging. „Ich habe den Kursus sogar mit einer Prüfung abgeschlossen“, sagt Voß.

    Der Seniorencomputerclub hat gegenwärtig 56 Mitglieder. „Die Jüngste ist 57, unser Ältester 90 Jahre alt“, sagt Voß. Meist seien es konkrete Anlässe, die die Senioren dazu bewegten, sich mit den neuen Medien zu befassen. Einige wollten auf diese Weise mit den Kindern und Enkeln in Kontakt bleiben, die woanders leben. Andere wollten weiter am gesellschaftlichen Leben teilhaben, auch wenn sie nicht mehr so mobil seien. Voß hat festgestellt, dass der Umgang mit dem Computer, den sozialen Netzwerken aber auch die Beschäftigung mit speziellen Computerspielen die Senioren geistig fit hält. „Medienkompetenz ist auch Altersvorsorge“, sagt er. Sie fördere die Feinmotorik, beuge Demenz vor und könne ein Tor zur Welt da draußen sein, wenn man nicht mehr so beweglich ist.

    „Wir sind aber nicht nur in der virtuellen Welt unterwegs“, sagt Voß. Die Clubmitglieder würden sich auch analog verabreden, zusammen Kaffee trinken und wandern. Diese Kontakte und Unternehmungen seien ebenso wichtig, um länger gesund und fit zu bleiben.

    Für jüngere Senioren sei der Umgang mit dem Computer bereits etwas ganz Normales. „Wir müssen uns deshalb immer wieder neue Angebote einfallen lassen, um auch diese Senioren für unseren Club zu interessieren“, sagt Voß. Demnächst werde es zum Beispiel einen Vortrag geben, den die Clubmitglieder online verfolgen könnten, wobei sie über Skype nicht nur mit dem Vortragenden, sondern auch mit den Mitgliedern eines Computerclubs an der Müritz verbunden sein werden. „Fragen zu stellen, ist dann ausdrücklich erwünscht.“

    Neu ist auch ein integratives Projekt, das der Seniorencomputerclub jetzt ins Leben rufen will. Etliche Mitglieder wollen mit Neuköllner Schülern eine Arbeitsgemeinschaft gründen, in der es darum gehen soll, spielend und mit Hilfe von Robotern das Programmieren zu erlernen. „Die digitale Gesellschaft betrifft alle Generationen, wir müssen das gemeinsam wuppen“, sagt Voß.

    Katalog listet Onlinespiele,die für Ältere geeignet sind

    Ein erstes Schulprojekt gab es bereits. Die Senioren haben mit Schülern der Evangelischen Schule im Zentrum zusammengearbeitet. „Wir haben zusammen Onlinespiele gespielt und erforscht, welche dieser Spiele auch für ältere Menschen geeignet sind“, erzählt Voß. Die Gruppe habe dann einen Empfehlungskatalog erarbeitet. Voß bezeichnet das Sich-Einlassen aufeinander, das Miteinander von Kindern und Senioren als gute Gelegenheit, geistig fit zu bleiben und den Anschluss an die gesellschaftliche Entwicklung nicht zu verlieren. „Außerdem macht es Spaß“, betont er. Viele der Senioren haben auf diese Weise Computerspiele überhaupt erst für sich entdeckt. Einige Clubmitglieder, so berichtet Voß, würden jetzt an einem Projekt teilnehmen, dass von Wissenschaftlern der Charité begleitet wird. „Es geht dabei um Gehirnjogging durch Computerspiele.“

    Auch Nichtmitglieder können die Beratungsangebote und Kurse des Seniorencomputerclubs in Anspruch nehmen, müssen dafür aber etwas bezahlen. Ebenso wie die Mitgliedsbeiträge dienen diese Gebühren zur Finanzierung des Clubs. Voß sagt, dass die Nachfrage nach den Kursen und Beratungsterminen immer größer wird. „Vielen geht es allerdings schon nicht mehr darum, Grundkenntnisse zu erwerben, sie wollen spezielle Dinge wie etwa das Programmieren erlernen oder die Technik noch besser verstehen.“