Kommunalwahl

Zwei Mussolini-Enkelinnen kämpfen um die Macht in Rom

Der Name Benito Mussolini steht für eine dunkle Epoche der Geschichte Italiens. Nun treten zwei Nachfahren des „Duce“ gegeneinander an.

Alessandra Mussolini (l.) und ihre Halbschwester Rachele Mussolini sind Kontrahentinnen bei der Kommunalwahl in Rom an diesem Wochenende.

Alessandra Mussolini (l.) und ihre Halbschwester Rachele Mussolini sind Kontrahentinnen bei der Kommunalwahl in Rom an diesem Wochenende.

Foto: Montage: v.l.n.r.: Photo Agency/imago, Reuters

Berlin/Rom.  Gleich zwei Enkelinnen des italienischen Diktators Benito Mussolini (1883-1945) ziehen bei der mit Spannung erwarteten Kommunalwahl in Rom am 5. Juni gegeneinander ins Rennen. Während eine der beiden schon seit Jahren in der italienischen Politik mitmischt, ist die andere ein Neuling.

Die Europa-Abgeordnete Alessandra Mussolini (53) zieht als Kandidatin der rechtskonservativen Forza Italia (FI) in den Wahlkampf. Die nach dem „Fußball-Schlachtruf Forza Italia („Vorwärts Italien“) benannte FI ist die Partei des früheren Premierministers Silvio Berlusconi und unterstützt bei der Wahl den Bürgermeisterkandidaten Alfio Marchini, den Spross einer Bauunternehmer-Dynastie. Alessandra Mussolini saß bereits als Abgeordnete im italienischen Parlament.

Beide Frauen haben kaum Kontakt zueinander

Ihre zwölf Jahre jüngere Halbschwester Rachele Mussolini dagegen tritt auf der Liste der Rechtspartei Fratelli d’Italia („Brüder Italiens“) an. Die Partei schickt die ehemalige Jugend- und Sportministerin Giorgia Meloni in das Rennen um den Chefsessel im römischen Rathaus.

Alessandra Mussolini ist die Tochter von Mussolinis 2006 verstorbenem Sohn Romano und dessen erster Frau Maria Scicolone – der Schwester der italienischen Filmlegende Sophia Loren. Rachele, die nach ihrer Großmutter benannt ist, entstammte der Ehe von Romano Mussolini mit seiner zweiten Frau Carla Maria Puccini. Beide Frauen haben im Wahlkampf gegenseitig Angriffe vermieden, von Rivalität wollen sie nichts wissen. Man habe kaum Kontakt zueinander, heißt es.

„Der Faschismus gehört in die Geschichte“

Alessandra Mussolini ist seit Jahren in der italienischen Politik präsent – und hat dort schon für so manchen Skandal gesorgt. Auf den Vorwurf eines transsexuellen Politikers, sie sei Faschistin, antwortete sie schon vor Jahren in einer Fernsehsendung: „Besser, ein Faschist zu sein als eine Schwuchtel“. Ein anders Mal beschimpfte sie weibliche Abgeordnete in Rom, sie seien nur wegen ihres Aussehens in die Politik berufen worden.

Rachele Mussolini, eine ehemalige Schönheitskönigin, die vor ihrer Kandidatur kaum in Erscheinung trat und von der nur wenige Fotos existieren, ließ im Wahlkampf immerhin wissen, sie wünsche ihrer Halbschwester „alles Gute“. Zu ihrem Großvater sagte sie dem „Corriere della sera“ in einem ihrer seltenen Interviews: „Ich habe nie von meinem Nachnamen profitiert, im Gegenteil, ich musste immer alle meine Einkäufe selbst bezahlen. Mussolini zu heißen ist überall schwierig, in Rom, in Italien, in der Welt. Es ist ein gewichtiger Nachname, den ich aber mit Stolz trage.“ Und der Faschismus? Der gehöre „in die Geschichte“, so die Enkelin des Duce.

Der „Duce“ hat immer noch Anhänger in Italien

Benito Mussolini gilt als der erste faschistische Diktator Europas. Sein „Marsch auf Rom“ im Oktober 1922 kurz vor seiner Ernennung zum italienischen Regierungschef steht für die Machtübernahme von Mussolinis faschistischer Bewegung. Im Zweiten Weltkrieg stand Mussolini an der Seite Adolf Hitlers. Am 28. April 1945 richteten Partisanen den flüchtigen „Duce“ am Comer See hin. In Italien hat der Diktator auch heute noch Anhänger.

Weder Alessandra noch Rachele Mussolini dürfen laut letzten Umfragen damit rechnen, dass ihr Kandidat das Rennen um das Bürgermeisteramt in Rom gewinnt. Heiße Anwärterin auf den Job ist nämlich die Rechtsanwältin Virginia Raggi, die von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung um den früheren Kabarettisten Beppe Grillo ins Rennen geschickt wird.

Die Stadt Rom hat derzeit mit großen Problemen zu kämpfen. Der öffentliche Nahverkehr gilt als Dauer-Problemfall, verdreckte Straßen und unregelmäßige Müllabfuhr sind immer wieder Themen in den Medien. Die Stadt steht zudem vor dem Bankrott – mehr als 25 Milliarden Euro Schulden lasten schwer auf der Kasse. Als im vergangenen Oktober der Bürgermeister Ignazio Marino wegen eines Korruptionsskandals zurücktrat, übernahm ein Sonderverwalter die Geschäfte im Rathaus.