Rohdaten

„Panama Papers“-Daten stehen zum Durchstöbern im Netz

Rund 200.000 Einträge umfasst die Online-Datenbank: Das Investigativ-Netzwerk ICIJ lässt Interessierte in den „Panama Papers“ suchen.

Tausende Namen aus den „Panama Papers“: Das ICIJ hat am Montag eine Datenbank mit vertraulichen Informationen über Briefkastenfirmen aus den Unterlagen der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca veröffentlicht.

Tausende Namen aus den „Panama Papers“: Das ICIJ hat am Montag eine Datenbank mit vertraulichen Informationen über Briefkastenfirmen aus den Unterlagen der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca veröffentlicht.

Foto: © Carlos Jasso / Reuters / REUTERS

Washington.  Das US-amerikanische Netzwerk International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) hat am Montagabend eine interaktive Datenbank mit rund 200.000 Einträgen über Briefkastenfirmen veröffentlicht. Die Datenbank enthält Informationen über Firmen, Treuhandfonds und Stiftungen in 21 Steueroasen. Die Daten gehören zu den „Panama Papers“, der bisher größten Daten-Enthüllung über Offshore-Konten. „Sie werden Firmen suchen können sowie deren offizielle Besitzer“, hatte das ICIJ auf seiner Webseite angekündigt. „Das sind Informationen, die bisher nicht zugänglich waren.“

Nach Angaben des ICIJ soll die Datenbank nun Nutzern ermöglichen, sowohl nach Personen als auch nach Firmen zu suchen. Neben den „Panama Papers“ sind in der Datenbank auch Informationen aus früheren Recherchen des Investigativ-Netzwerks verarbeitet worden. Die Daten wurden laut ICIJ sorgfältig ausgesucht und Persönlichkeitsrechte gewahrt. So würden weder Informationen über Bankkonten oder Transaktionen noch E-Mail-Korrespondenzen preisgegeben.

Wikileaks hatte Veröffentlichung angedeutet

Das Material stammt den Angaben zufolge vor allem aus den vertraulichen Unterlagen der Kanzlei Mossack Fonsenca. Eine anonyme Quelle, die sich „John Doe“ nennt, hatte der „Süddeutschen Zeitung“ die Informationen über rund 200.000 von der panamischen Kanzlei gegründete Briefkastenfirmen zugespielt. Wie die Quelle an die 2,6 Terabyte vertrauliche Daten der Kanzlei gelangt ist, ist bisher unklar. Mossack Fonseca vermutet einen Hackerangriff auf seine Server und hat Strafantrag wegen Datendiebstahls gestellt. IT-Experten bezweifeln allerdings, dass eine so große Datenmenge von außen gestohlen werden konnte.

Wikileaks hatte kurz nach Bekanntwerden des Falles auf Twitter den Eindruck erweckt, über die Daten zu verfügen und sie komplett ins Netz stellen zu können. „Sollen wir sie veröffentlichen“, hatte die Enthüllungsplattform gefragt. „John Doe“ erklärte dagegen inzwischen, Wikileaks habe sogar wiederholt nicht auf seine Nachrichten reagiert.

Anfang April hatte die SZ in Kooperation mit dem ICIJ sowie Medien aus 76 Ländern die ersten Ergebnisse der Recherche zu den der „Panama Papers“ öffentlich gemacht. Dies führte zu Ermittlungen auf der ganzen Welt und einer internationalen Debatte über Steueroasen und Geldwäsche. Mossack Fonseca betonte immer wieder, sich an die Gesetze zu halten.

In den Briefkastenfirmen der Kanzlei sollen Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen geparkt haben. Panama geriet wegen seiner liberalen Finanzgesetze erneut in die Kritik. Die Veröffentlichungen brachte auch einige Staatschefs in Bedrängnis. Islands Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson trat nach Protesten gegen seine heimlichen Offshore-Geschäfte zurück. (she/dpa)