Schmähgedicht

Jan Böhmermann kritisiert Angela Merkel in Interview scharf

Er fühlt sich „filetiert“, einem „nervenkranken Despoten“ ausgeliefert: Jan Böhmermann äußert sich nun erstmals wieder öffentlich.

Jan Böhmermann hat der Wochenzeitung „Die Zeit“ das erste Interview seit dem Wirbel um seine Person gegeben.

Jan Böhmermann hat der Wochenzeitung „Die Zeit“ das erste Interview seit dem Wirbel um seine Person gegeben.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Berlin.  Der Satiriker Jan Böhmermann hat sich zum ersten Mal seit der Affäre um sein Schmähgedicht in der Öffentlichkeit geäußert. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“, das am Mittwoch erscheint, kritisiert er Angela Merkel scharf.

„Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai WeiWei aus mir gemacht“, sagte Böhmermann laut einer Vorabmeldung der Zeitung. Der 35-Jährige spreche in dem Interview über sein Leben in der Abschottung, seine Anfrage bei Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) und seine Erwartungen an den bevorstehenden Prozess, kündigt das Blatt an.

Nicht mehr unter Polizeischutz

Mittlerweile steht Böhmermann nicht mehr unter Polizeischutz. Ein Polizeisprecher bestätigte dies am vergangenen Freitag in Köln. Seit etwa einer Woche sei die Maßnahme wieder aufgehoben. Böhmermann hatte in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ (ZDFneo) in seinem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bewusst Formulierungen unter der Gürtellinie benutzt.

Damit wollte er nach eigener Darstellung den Unterschied zwischen in Deutschland erlaubter Satire und verbotener Schmähkritik deutlich machen. Der Beitrag hatte erheblichen Wirbel ausgelöst. Nach einer Beurteilung der Gefährdungslage hatte die Kölner Polizei Böhmermann unter Polizeischutz gestellt.

Nach seiner Schaffenspause wagte sich Böhmermann langsam wieder aus der Deckung. Seit dem Wochenende twittert der Satiriker wieder, auch bei Facebook ist er aktiver geworden. Manche Posts sind gewohnter Quatsch wie „Will mir jetzt gleich ein neues Tattoo stechen lassen (hinten auf dem Steißbein). Irgendeine Idee?“. Manche lassen sich als Anspielung auf den politischen Wirbel verstehen, den sein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten ausgelöst hat. (les/dpa)

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