Steueroasen

Putin erklärt die „Panama-Papers“ zu US-Auftragsarbeit

Alles nur Provokation, gesteuert von den USA: Kreml-Chef Wladimir Putin weist alle Vorwürfe im Zusammenhang mit Steueroasen zurück.

Wladimir Putin auf Sendung: Bei seiner traditionellen Bürgerfragestunde per TV ging Russlands Präsident am Donnerstag auch auf die „Panama-Papers“ ein. Er hält die ganze Sache für aufgebauscht.

Wladimir Putin auf Sendung: Bei seiner traditionellen Bürgerfragestunde per TV ging Russlands Präsident am Donnerstag auch auf die „Panama-Papers“ ein. Er hält die ganze Sache für aufgebauscht.

Foto: SPUTNIK / REUTERS

Moskau.  Der russische Präsident Wladimir Putin weist Vorwürfe im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ über zweifelhafte Offshore-Firmen in Mittelamerika als Provokation zurück. „Wir wissen, dass Mitarbeiter der amerikanischen Institutionen damit zu tun haben“, sagte Putin am Donnerstag in Moskau.

Vergangene Woche hatten Medien weltweit über gut 200.000 Briefkastenfirmen berichtet, in denen Politiker und Prominente ihr Vermögen geparkt haben sollen. Die Unternehmen wurden demnach teils über eine Kanzlei in Panama gegründet. Putins Name fällt darin zwar nicht. In den Dokumenten taucht aber auch der Name des Putin-Freundes Sergej Roldugin auf, eines bekannten Cellisten. Über dessen Offshore-Firmen sollen insgesamt zwei Milliarden Dollar geflossen sein.

„Irgendwer macht irgendwelche Geschäfte“

Putin nahm jetzt bei seiner Bürgerfragestunde seinen Freund Roldugin in Schutz. Dieser habe all sein Geld lediglich für kostbare Musikinstrumente für Russland ausgegeben, sagte Putin.

„Irgendwer von meinen Freunden macht irgendwelche Geschäfte“, kommentierte Putin die „Panama Papers“. Es tauche die Frage auf, ob Geld aus Offshore-Firmen irgendwelchen Beamten oder gar dem Präsidenten gehört. Aber in den Berichten werde niemand konkret beschuldigt. Die Details seien aus der Luft gegriffen, sagte Putin. „Sie führen einfach in die Irre.“

Irritationen um eine deutsche Zeitung

Um seine These einer amerikanischen Verschwörung zu unterstreichen, rückte der Kreml-Chef auch eine deutsche Zeitung in die Nähe des US-Kapitals. Er behauptete nämlich, die „Süddeutsche Zeitung“, die maßgeblich an den „Panama“-Enthüllungen beteiligt war, gehöre der amerikanischen Großbank Goldman Sachs. „Diese Medienholding gehört dem amerikanischen Finanzkonzern Goldman Sachs, also sind überall die Ohren des Auftraggebers zu sehen, die noch nicht einmal rot werden“, sagte er

Allerdings bekam Putin in dem Fall falsche Informationen geliefert. Mehrheitseigner der SZ ist die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH) mit 81,25 Prozent, die übrigen 18,75 Prozent gehören der Familie Friedmann. Von Goldmann Sachs keine Spur. Gut möglich, dass Putins Rechercheure die Falschinformationen von der entsprechenden Seite des Online-Lexikons Wikipedia haben. Dort wird die Bank mehrfach genannt, da sie beim Verkauf des Verlags vor neun Jahren als Bieter auftrat – aber nicht den Zuschlag bekam. Die Süddeutsche Zeitung reagierte mit einer Stellungnahme, in der sie die Besitzverhältnisse bestätigt:

(dpa/W.B.)