Landtagswahl

So lief das Fernsehduell Julia Klöckner gegen Malu Dreyer

| Lesedauer: 4 Minuten
Walter Bau
Zwei Frauen, ein Ziel: Wahlsieg. CDU-Herausforderin Julia Klöckner (l.) und SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer traten am Dienstagabend beim TV-Duell im SWR gegeneinander an.

Zwei Frauen, ein Ziel: Wahlsieg. CDU-Herausforderin Julia Klöckner (l.) und SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer traten am Dienstagabend beim TV-Duell im SWR gegeneinander an.

Foto: Andreas Arnold / dpa

Wahlkampf in Rheinland-Pfalz: Malu Dreyer und Julia Klöckner trafen sich Dienstagabend zum TV-Duell. Es endete mit einem Punktsieg.

Mainz/Berlin.  In Rheinland-Pfalz kämpfen zwei Frauen um das Ministerpräsidentenamt – ein Novum in der bundesdeutschen Geschichte. Am Dienstagabend, 13 Tage vor dem Wahltag, trafen sich Amtsinhaberin Malu Dreyer (54, SPD) und Herausforderin Julia Klöckner (44, CDU) zum TV-Duell im Dritten Programm des SWR. „Der Kampf der Hosenanzüge“ hatte die ZDF-heute-show im Vorfeld geätzt. Pech gehabt. Klöckner trägt ein blaues Kostüm, Dreyer einen brombeer-farbenen Blazer zur Hose.

• Das Ambiente:

Sozialdemokratin Dreyer rechts, Christdemokratin Klöckner links – so hat es die Auslosung ergeben. Die beiden Damen sitzen an Tischen; keine Stehpulte wie etwa beim „großen“ TV-Duell der Kanzlerkandidaten. Publikum ist nicht im Studio. „Wir setzen auf Politik pur“, hatte SWR-Chefredakteur und Moderator Fritz Frey versprochen.

• Die Ausgangslage:

Der Vorsprung der seit langem in den Umfragen führenden CDU auf die regierende SPD schrumpft. Doch noch liegt Klöckners Partei deutlich vorn, wie eine aktuelle Wähler-Befragung zeigt. Auch wenn bei den persönlichen Sympathiewerten Dreyer weiter deutlich vor Klöckner liegt – die Regierungschefin müsste beim Duell in die Rolle der Angreiferin schlüpfen.

• Das Thema des Abends:

Die Flüchtlingskrise, natürlich. Und da gibt es den Wettstreit der Merkel-Versteherinnen. „Ich stehe mehr hinter der Strategie der Kanzlerin als Sie“, geht Dreyer ihre Kontrahentin direkt an. „Sie fallen ihr direkt in den Rücken.“ Doch Klöckner, die sich im Wahlkampf schon mal von Merkel abgesetzt hat, will da nicht zurückstehen: „Ich stehe an der Seite von Angela Merkel.“ Mal war die CDU-Frau für, mal gegen Obergrenzen. Nun will Klöckner „tagesaktuelle flexible Kontingente“. Das klingt schwammig.

Trotzdem: Bei dem Thema ist Klöckner rhetorisch besser. Klare Sätze und Botschaften. „Wir dürfen Integration nicht dem Zufall überlassen. Zu uns ins Land kommen keine Heiligen.“ Der Staat dürfe „nicht schwach werden“, nicht einknicken vor „patriarchalischen Strukturen“. Da wirkt Dreyer verschwommener in ihrer Argumentation: „Ich stehe dafür, dass wir in Rheinland-Pfalz gut miteinander leben.“ Das soll wohl landesmütterlich klingen, kommt aber lau ‘rüber.

• Das Bekenntnis des Abends:

„So lange ich nicht muss, so lange werde ich Rechtspopulisten und Rechtsextremen kein Forum bieten.“ So verteidigt Dreyer ihre umstrittene Weigerung, mit einem Spitzenkandidaten der AfD öffentlich zu diskutieren, während Klöckner in der „Elefantenrunde“ mitmachen will. Dreyer hat viel Kritik für ihre Verweigerungshaltung einstecken müssen. Doch sie bleibt dabei.

• Der Wackler des Abends:

Als es um den Ausbau der Internet-Infrastruktur geht, hebt Dreyer hervor, wie viele Rheinland-Pfälzer nun schon „50 Mbit/s zur Verfügung haben“. Mbit/s, was ist das?, fragt Moderator Frey. Dreyer kommt ins Stocken, sagt etwas von „Kapazitäten“ – was knapp daneben ist. „Es geht um die Geschwindigkeit“, verbessert Klöckner flugs. Sie kennt sich bei Megabit pro Sekunde besser aus – für Dreyer, deren Regierung den Internetausbau nur zaghaft vorangetrieben hat, scheint das noch ein Stück Neuland zu sein.

• Der Spruch des Abends:

„Ich könnte Ihnen noch lange zuhören.“ Der Satz kommt von Moderator Frey. In der Tat verlegt er sich weitgehend aufs Zuhören und klappert ansonsten lahm seine Frageliste ab. Ein Moderator zum Wegnicken.

• Das Fazit des Abends:

Dreyer kam zu selten auf den Punkt. Und wenn, dann klang das manchmal zu dick aufgetragen und nach Eigenlob. Etwa: „Ich stehe dafür, dass wir in Rheinland-Pfalz sehr gut miteinander leben.“ Klöckner dagegen war die Aktivere, die Frischere. Rhetorisch fitter, stringenter in der Argumentation. Auch beim Schlusswort: „Rheinland-Pfalz kann es besser. Wir haben den Wechsel verdient. Es wird Zeit für den Neuanfang.“ Ein bisschen hausbacken dagegen, wie sich die Amtsinhaberin zum Schluss an die TV-Zuschauer wandte: „Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen. Ich hatte jedenfalls Freude daran.“

Unser Urteil: Julia Klöckner fährt im TV-Duell gegen Malu Dreyer einen klaren Punktsieg ein. Mal sehen, ob die Wähler in Rheinland-Pfalz das genauso sehen.

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