Zum Artikel: „Die Armut sinkt –
ein kleines bisschen“ vom 24. Februar

Ja, dank Mindestlohn arbeiten viele jetzt Vollzeit für 50 bis 100 Euro mehr als der Hartz-4-Satz beträgt. Was das später für die Rente bedeutet, kann sich jeder ausrechnen. Mehr als 500 bis 600 Euro kommen da nicht heraus. „Riestern“ lohnt auch nicht, weil das später ohnehin abgezogen wird. Und es ist für Niedriglöhner sowieso kein Geld zum Sparen da. Spätestens als Rentner sind viele arm. Also Grundsicherung beantragen. Aber da bis dahin das Rentenalter auf 70+ angehoben wird, werden viele nicht viel von der Rente haben.

Stephan Le Marque, via Facebook

In Deutschland wäre ein Referendum unvorstellbar

Zum Artikel: „Führt dieser Mann die Briten aus der EU?“ vom 23. Februar

Nach dem Brexit-Gipfel von Brüssel meint Premierminister David Cameron, für Großbritannien das Optimale herausgeholt zu haben. Doch ausgerechnet sein einstiger Schulfreund und Bürgermeister von London, Boris Johnson, will den Brexit. Begründung: Raus aus der EU, bevor sie untergeht. Johnson sieht nämlich die „Brüsseler-Bürokratie-EU“ wegen der Finanz-, Staatsschulden-, Euro- und Flüchtlingskrise wie einst die Titanic auf Sinkkurs. Deshalb sei der Brexit unausweichlich. Hat Großmaul Boris Johnson recht? Wenigstens wird in Großbritannien das Volk zum Brexit per Referendum befragt. Das ist in Deutschland unvorstellbar.

Roland Klose, Bad Fredeburg

Leichtes Spiel für Vermieter, um hohe Mieten zu verlangen

Zum Artikel: „Milieuschutz in Mitte
gescheitert“ vom 23. Februar

Es ist nicht nur in der Oranienburger Vorstadt so. Täglich liest man in der Presse, dass mehr Wohnungen gebaut werden müssen und gebaut werden. Gefordert wird auch immer wieder bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit kleinem Einkommen. Fakt ist: Es wird gebaut. Dies sind jedoch in der Mehrzahl Luxuswohnungen. Diese können sich Geringverdiener und Rentner nicht leisten. Sieht man sich zum Beispiel in Zehlendorf und Steglitz um, entdeckt man viele neue Bauten – Wohnungen und Reihenhäuser. Allerdings sind das zu fast 100 Prozent Eigentumswohnungen und die haben einen entsprechenden Preis. Gleiche Angebote finden sich in allen Bezirken Berlins. Wo ist also der neue bezahlbare Wohnraum? Da kann man nur hoffen, dass Geringverdiener und Rentner in Zukunft nicht in mobilen Containern untergebracht werden. Vermieter in Berlin haben zur Zeit leider ein leichtes Spiel, hohe Mieten zu verlangen.

Harry Hoppe, per Mail

Vertrauen in die Gleichheit vor dem Gesetz wird nicht gestärkt

Zum Artikel: „Uli Hoeneß ist fast ein freier Mann“ vom 23. Februar

Die Serie der Bevorzugungen von Uli Hoeneß durch die Justiz setzt sich bis zum Ende seiner Haftzeit fort. Schon während der Beweisaufnahme, während des Prozesses bis zur Festlegung der Summe, die er hinterzogen haben soll, wurde jeweils die für ihn günstigste Konstellation unterstellt. Während der Haft erhielt er die komfortabelsten Bedingungen, nun wird auch seine geradezu luxuriöse Haftzeit auf die kürzeste Dauer begrenzt. Eine solche Aneinanderreihung von Sonderbehandlungen wird das Vertrauen in die Gleichheit vor dem Gesetz nicht gerade stärken.

Wolf-Rüdiger Heilmann, Schöneberg

Nach dem Strafgesetzbuch ist das Volksverhetzung

Zum Artikel: „Das sind keine Menschen, die so was tun“ vom 22. Februar

Vorgänge wie in Clausnitz und Bautzen sind empörend, Politikerurteile wie des sächsischen Ministerpräsidenten aber oft auch: „Das sind keine Menschen, die so was tun. Das sind Verbrecher.“ Wer so was sagt, denkt wieder in Kategorien von Untermenschen und betreibt nach Paragraf 130 StGB Volksverhetzung.

Dirk Stratmann, Märkisches Viertel