225 Millionen. So viele Mobiltelefone hat Apple im vergangenen Jahr weltweit verkauft. Da fällt der immer verbissener geführte Streit zwischen dem kalifornischen Kommunikationsriesen und der US-Regierung von Barack Obama über ein einzelnes iPhone natürlich besonders auf. Privatsphäre oder strafrechtliche „No-go-Areas“? Um diese Grundsatzfrage geht es in dem Konflikt, der die gesamte Internetbranche beschäftigt. Weil bislang nichts auf einen Kompromiss hindeutet, wird am Ende der Oberste Gerichtshof in Washington wahrscheinlich das letzte Wort haben.

Auslöser der Kontroverse ist das von Sympathisanten des Terrornetzwerks „Islamischer Staat“ verübte Massaker von San Bernardino nahe Los Angeles. Anfang Dezember hatte der Muslim Syed Rizwan Farook gemeinsam mit seiner Frau dort 14 Menschen erschossen. Beide Attentäter kamen bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben. Um mögliche Anstifter dingfest zu machen, setzt die Bundespolizei FBI auf die Auswertung des Handys von Farook. Weil das besagte iPhone 5c nach zehnmaliger falscher Eingabe des Passwortes, das dem FBI unbekannt ist, alle Inhalte löscht, soll Apple offiziell beim Knacken helfen. Der Konzern, der laut Regierung in mehreren Tausend Fällen vergleichbare Hilfen für Ermittler gewährt hatte, stellt sich diesmal quer.

Apple-Boss Tim Cook erklärt seine Weigerungshaltung, die in den Chefetagen von Google über Twitter bis Facebook breite Unterstützung findet, so: „Die Regierung hat uns um etwas gebeten, das wir für zu gefährlich ansehen, um es zu entwickeln. Sie wollen, dass wir eine Hintertür in das iPhone einbauen.“ So jedenfalls will Cook das Urteil einer unteren Gerichtsinstanz in Kalifornien verstehen, die Apple dazu verdonnert hat, den Ermittlern das Auslesen der Daten des Handys von Attentäter Farook zu ermöglichen. Eine Software zu entwickeln, die das passwortgeschützte Innere eines iPhones der neuen Generation umgeht, so Cook, sei wie ein Generalschlüssel, mit dem potenziell jedes Handy entsperrt werden kann. Nicht nur der Staat erhalte so Zugang zu den privaten Daten seiner Handys nutzenden Bürger. Auch kriminelle Hacker und auswärtige Regierungen könnten davon profitieren. Fazit: Apple ließ Einspruch gegen die Anweisung einlegen und heuerte Spitzenanwälte an.

Cooks „No“ veranlasste den siegreichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump zu einer drastischen Aktion. „Boykottiert Apple, bis sie das Passwort rausrücken“, rief er seine Anhänger in South Carolina auf, Tim Cook wolle sich an der falschen Stelle als „liberal“ zeigen. Auch Wissenschaftler halten das hohe Lied, das Apple auf den Schutz der Privatsphäre singt, für fragwürdig. Benjamin Wittes und Susan Hennessey von der Denkfabrik Brookings sprechen von „selbstgefälligem Unsinn“.

Dass Apple sich unkooperativ zeigt, hat Folgen. Das Justizministerium rief in Kalifornien bereits die nächste Gerichtsinstanz an, um den Konzern zum Einlenken zu zwingen. In ihrer Begründung werfen die Staatsanwälte Apple aus „Marketinggründen“ eine Verdrehung der Tatsachen vor. Mitnichten werde eine Software verlangt, die den Behörden den pauschalen Zugriff auf Mobiltelefone gewährt – allein bei dem Terrorhandy bestehe man auf technische Zuarbeit. Apples Konter: Das FBI hat’s selber vermasselt, als es die Daten von Farook in der iCloud durch eine Änderung verriegelte.

Wie der Konflikt ausgeht (am 22. März ist eine Anhörung vor Gericht angesetzt), ist ungewiss.