Kirche

Vatikan bestätigt die Lockerung des Verhütungsverbots

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Am Donnerstag hatte Papst Franziskus mit Blick auf die Bedrohung durch das Zika-Virus gesagt, künstliche Verhütung sei „nichts absolut Böses“.

Am Donnerstag hatte Papst Franziskus mit Blick auf die Bedrohung durch das Zika-Virus gesagt, künstliche Verhütung sei „nichts absolut Böses“.

Foto: GINNETTE RIQUELME / REUTERS

„In Fällen besonderer Not“ darf mit Segen der Kirche verhütet werden – die Aussage des Papstes hat jetzt ein Vatikan-Sprecher erklärt.

Vatikan-Stadt.  Der Vatikan hat die veränderte Haltung der katholischen Kirche beim Thema Verhütung bestätigt, die Papst Franziskus auf dem Rückflug von Mexiko nach Rom angedeutet hatte. „Verhütungsmittel oder Präservative können in Fällen besonderer Not einer ernsthaften Gewissensprüfung unterzogen werden“, betonte Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitag im Sender Radio Vatikan: „Das sagt der Papst.“

Franziskus hatte künstliche Verhütungsmethoden im Fall einer Bedrohung wie durch das Zika-Virus nicht mehr strikt ausgeschlossen. Verhütung sei „nichts absolut Böses“ und in einigen Fällen – wie einer drohenden Zika-Infektion – sogar einleuchtend. Abtreibung lehnte er jedoch auch in solchen Fällen ab. Das Zika-Virus steht im Verdacht, bei Infektionen von Schwangeren Schädelfehlbildungen und damit schwere geistige Behinderungen bei ihren Babys zu verursachen.

Ausnahmen waren schon früher möglich

Lombardi verwies auf Papst Paul VI. (1897-1978). Dieser habe Ordensfrauen im Kongo, denen Vergewaltigungen durch Rebellen drohten, ausdrücklich erlaubt, zu verhüten. Der Vatikansprecher erinnerte zudem an Äußerungen von Papst Benedikt XVI., der im Interviewbuch „Licht der Welt“ den Einsatz von Kondomen für Prostituierte nicht ausschloss. Als das Buch des Journalisten Peter Seewald 2010 erschien, bemühte der Vatikan sich noch, die darin angedeutete Lockerung des Kondom-Verbots abzuschwächen.

Die Reform-Initiative „Wir sind Kirche“ hat Äußerungen von Papst Franziskus zur Verhütung im Kampf gegen das Zika-Virus begrüßt. „Es ist gut, wenn der Papst in diesem Fall künstliche Verhütungsmittel nicht ausschließt“, sagte Sprecher Christian Weisner am Freitag. „Ich halte es für angemessen und richtig, dass Papst Franziskus sich differenziert in dieser komplexen Situation äußert.“

Reform-Initiative: Kirche muss sich auch bei Abtreibung weiterentwickeln

Weisner plädierte für eine Weiterentwicklung der katholischen Lehre auch bei anderen Fragen. „Die katholische Kirche wird sich auch bei der Abtreibung weiterentwickeln müssen.“ Sie müsse darauf achten, dass die kirchliche Lehre den Menschen das Leben erleichtere. „Die letzte Verantwortung und die Gewissensentscheidung für eine verantwortete Elternschaft liegt nach katholischer Lehre bei den Eltern“, betonte der Sprecher der Reform-Katholiken.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, wollte sich zur Papst-Einschätzung nicht äußern. Die Aussage von Franziskus stehe für sich, teilte eine Sprecherin des Erzbischöflichen Ordinariats München mit. (epd/dpa)

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