Untersuchung

Putin soll in Mord an Ex-Spion Litwinenko verwickelt sein

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Alexander Litwinenko (r.) wurde 2006 mit radioaktivem Material vergiftet. Russlands Präsident Wladimir Putin soll in den Mordfall verwickelt sein, sagt nun ein britisches Gericht.

Alexander Litwinenko (r.) wurde 2006 mit radioaktivem Material vergiftet. Russlands Präsident Wladimir Putin soll in den Mordfall verwickelt sein, sagt nun ein britisches Gericht.

Foto: epa Sergei Kaptilkin / dpa

Ein Richter in London belastet Wladimir Putin im Mordfall an Ex-Spion Alexander Litwinenko. Der Kreml-Chef weist die Vorwürfe zurück.

London.  Im Streit über den Giftmord an dem Kremlkritiker Alexander Litwinenko hat Russlands Präsidentensprecher Dmitri Peskow Vorwürfe aus Großbritannien zurückgewiesen. Russische Geheimdienste seien nicht verwickelt, sagte Peskow der Agentur Interfax in Moskau. „Ich wiederhole das seit Jahren.“

Der britische Richter Robert Owen hält es jedoch für „wahrscheinlich“, dass Russlands Präsident Wladimir Putin in die Tat involviert war. Er habe ein Motiv gehabt, erklärte der Richter am Donnerstagmorgen in London.

Ein Jahr lang hatte sich der Londoner Richter mit den Hintergründen des Mordes an Litwinenko beschäftigt, die Ergebnisse seiner Untersuchungen wurden mit Spannung erwartet. Owen erklärte, Litwinenko habe „wiederholt öffentlich Präsident Putin persönlich scharf kritisiert“.

Litwinenko starb 2006 an Polonium-Vergiftung

Der Russe Litwinenko, ein früherer Geheimdienst-Mitarbeiter, war 2006 in London an einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium-210 gestorben. Die Untersuchung sollte klären, wer für den Mord verantwortlich ist. Owen kann in seinem Bericht aber nur Empfehlungen geben, strafrechtliche Konsequenzen hat er keine – es war kein Prozess.

Der Fall Litwinenko hat alle Zutaten eines spannenden Thrillers – mit dem Unterschied, dass er für den Hauptbetroffenen im realen Leben tödlich endete. Eine Chronologie des Falls:

November 1998: Der ehemalige Agent Alexander Litwinenko behauptet in Moskau, der russische Inlandsgeheimdienst FSB habe ihn beauftragt, den Oligarchen Boris Beresowski zu ermorden.

Ende 2000: Litwinenko flieht nach London und bekommt dort politisches Asyl. Beresowski unterstützt ihn.

2002: Litwinenko behauptet in einem Buch, 1999 seien von Geheimdienstlern Bombenanschläge auf Wohnhäuser in Russland verübt worden, um einen Vorwand für den zweiten Tschetschenien-Krieg zu haben.

7. Oktober 2006: Die Journalistin Anna Politkowskaja, eine der schärfsten Kritikerinnen des Kreml, wird vor ihrer Wohnung in Moskau erschossen. Litwinenko recherchiert auf eigene Faust in dem Fall.

11. November 2006: Litwinenko trifft sich im Hotel Millennium im schicken Londoner Stadtteil Mayfair mit dem russischen Parlamentsabgeordneten Andrej Lugowoi und dessen Vertrauten Dmitri Kowtun zum Tee. Wenige Stunden später wird er ins Krankenhaus gebracht – offenbar befand sich das radioaktive Gift in der Tasse mit grünem Tee. Litwinenko beschuldigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Vergiftung in Auftrag gegeben zu haben.

23. November 2006: Litwinenko stirbt. Seine Familie beschuldigt erneut den Kreml.

22. Mai 2007: Die britische Staatsanwaltschaft leitet ein Strafverfahren wegen Mordes gegen Lugowoi ein. Moskau verweigert jedoch die Auslieferung.

11. Februar 2014: Das höchste britische Gericht entscheidet, dass das Innenministerium eine von Litwinenkos Witwe geforderte öffentliche Untersuchung des Falls zu Unrecht ausgeschlossen hat.

31. Juli 2014: Eine gerichtliche Untersuchung des Falls in London wird offiziell eingeleitet.

27. Januar 2015: Beginn der Anhörungen. (dpa)

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