Berlin –

52 Grundstücke für Flüchtlingsheime sind schon gefunden

| Lesedauer: 4 Minuten
Joachim Fahrun; Isabell Jürgens

Unterkünfte sollen Platz für 24.000 Menschen bieten

Berlin. Dass es kein Zustand ist, Tausende Menschen auf Dauer in Turnhallen oder Flughafenhangars wohnen zu lassen, ist Konsens. Seit September sucht deshalb eine Arbeitsgruppe im Auftrag der Senatsfinanzverwaltung aus den riesigen Liegenschaftsbeständen von Bund und Land sowie der landeseigenen Unternehmen und der Bezirke nach Flächen, auf denen schnell neue Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge errichtet werden können.

5500 Grundstücke haben die Experten unter Leitung von Petra Hildebrandt, Chefin der Stadt-und-Land-Tochter WoBeGe, gesichtet. Fünf Prozent befinden sich noch in der Prüfung, aber für 52 Flächen konnte die frühere SPD-Abgeordnete Erfolg vermelden. Dort könnten die von der Senatsbauverwaltung entworfenen, vierstöckigen Modulbauten für jeweils knapp 500 Menschen entstehen. Hildebrandt zeigte sich optimistisch, bis Jahresende auftragsgemäß 60 Grundstücke für Flüchtlingsunterkünfte identifiziert zu haben. Erste Bauplätze könnten der Hof der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau sein, geeignete Flächen gibt es auch an der Fürstenwalder Allee in Köpenick, an der Rheinpfalzallee in Karlshorst, am Lindenberger Weg in Buch und an der Cyclopstraße in Reinickendorf.

Wobei nicht gesagt ist, dass auf jedem Grundstück sofort gebaut werden kann. Zwar erlaubt das Baurecht schnellere Verfahren für Flüchtlingsunterbringung. Aber wenn umliegende Bauten denkmalgeschützt seien oder auf dem Gelände seltene Tierarten wohnten, müsse damit genauso umgegangen werden wie bei anderen Bauvorhaben auch, sagte Finanzstaatssekretärin Margaretha Sudhof. Sie rechne damit, dass es von Seiten der Bezirke Widerstände gegen eine Bebauung geben könne, zumal viele am Rande von Wäldern oder Einfamilienhaussiedlungen lägen. „Weisungen an die Bezirke würden helfen“, sagte die Stellvertreterin von Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD).

Aus ihrer Sicht schafft die Suche nach den Flüchtlingsgrundstücken einen Mehrwert für die ganze Stadt. Denn es würden Wohnstandorte identifiziert, die unabhängig von Flüchtlingen genutzt werden könnten. „Diese Grundstücke wären früher oder später ohnehin in den Blick gekommen. Wir beschleunigen das“, sagte Sudhof. Sie hoffe, dass Ende 2016 die ersten Modulbauten stehen.

Degewo will ihr Angebot jährlich um 2000 Wohnungen erhöhen

Doch nicht nur für die Modulbauten, in denen bis zu 24.000 Menschen Platz finden sollen, wird derzeit überall in der Stadt nach geeigneten Bauflächen gesucht. Kristina Jahn, Chefin des größten landeseigenen Wohnungsunternehmens Degewo, das in Berlin rund 75.000 Mietwohnungen verwaltet, will in den kommenden drei Jahren um jährlich 2000 Wohnungen wachsen. „Um eine neue Wohnungsnot in Berlin zu verhindern, war es schon vor dem aktuellen Flüchtlingsansturm höchste Zeit, alle Kraft in den preiswerten Neubau zu stecken“, sagte Jahn. Bis 2026 wolle man den Bestand sogar um 22.000 Wohnungen erhöhen. Konkret geplant seien 49 Projekte mit rund 4700 Wohnungen, für die 6,50 bis 10,50 Euro je Quadratmeter Miete (kalt) verlangt werden sollen. Eine Flächenkonkurrenz zu den Modulbauten für die Flüchtlinge gebe es nicht, beruhigte Jahn. „Für die Bauvorhaben der kommenden zwei bis drei Jahre haben wir genügend Bauland gesichert“, sagte sie. Das Problem sei auch nicht das Flächenangebot, sondern die schnelle Schaffung von Baurecht.

Gleichzeitig treibt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ihre Pläne voran, vier Flächen auf dem Tempelhofer Feld für Flüchtlinge zu nutzen. Man werde dem Abgeordnetenhaus detailliert vorstellen, wie groß der Erschließungsaufwand für die Grundstücke sei und was dort entstehen könnte, sagte Baustaatssekretär Christian Gaebler. Er betonte, dass die an das asphaltierte Vorfeld grenzenden Flächen am einfachsten zu nutzen seien. Der Geschäftsführer des Umweltverbandes BUND, Tilmann Heuser, sagte, es würde die Diskussion um das durch das Volksgesetz geschützte Tempelhofer Feld vereinfachen, wenn der Senat auf seine Pläne für den Streifen am Tempelhofer Damm sowie die beiden Flächen an der Neuköllner Seite verzichten und sich auf das ohnehin versiegelte Areal am Columbiadamm neben den Hangars konzentrieren würde.

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