Olympia-Bewerbung

Tendenz: Olympia-Gegner gewinnen Referendum in Hamburg

Olympia-Bewerbung für 2024 ja oder nein? Darüber stimmten Hamburger und Kieler ab. Erste Ergebnisse sprechen gegen eine Bewerbung.

So könnte das Olympiastadion in Hamburg aussehen. Ob sich die Stadt überhaupt um die Spiele 2024 bewerben soll, entscheiden die Bürger am Sonntag, 29. November 2015.

So könnte das Olympiastadion in Hamburg aussehen. Ob sich die Stadt überhaupt um die Spiele 2024 bewerben soll, entscheiden die Bürger am Sonntag, 29. November 2015.

Foto: Kcap | Arup | Vogt | Kunst+herbe / dpa

Hamburg/Kiel.  Die Hamburger haben den Traum von Olympia 2024 in ihrer Stadt überraschend platzen lassen. Kurz vor Auszählung aller Wahllokale räumte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die Niederlage der Befürworter ein. Zu diesem Zeitpunkt lag das Lager der Gegner mit 51,6 der Stimmen uneinholbar vorn – eine herbe Enttäuschung auch für Scholz und den rot-grünen Senat. „Das ist eine Entscheidung, die wir uns nicht gewünscht haben. Sie ist aber klar“, sagte Scholz. Beim Bürgerentscheid in Kiel, wo die Segelwettbewerbe stattfinden sollten, stimmte hingegen eine große Mehrheit (65,57 Prozent) für Olympia.

In der Hansestadt sind rund 1,3 Millionen Bürger abstimmungsberechtigt. Allein 569.484 Hamburger beteiligten sich im Vorfeld per Briefwahl. Das entspreche 43,6 Prozent der Wahlberechtigten, sagte Oliver Rudolf vom Landeswahlamt am Sonntagmorgen. Das sei deutlich mehr als etwa bei dem Volksentscheid über die Hamburger Schulpolitik im Jahr 2010, bei dem der Anteil der Briefwähler bei 34,1 Prozent gelegen habe.

Finanzierungsfrage größter Kritikpunkt

Um das Olympia-Referendum im Sinne der Befürworter zu entscheiden, hätten sie zum einen eine Mehrheit haben und zum anderen mindestens 20 Prozent der Stimmen auf sich vereinen müssen. In Kiel, wo fast 200.000 Menschen mitmachen konnten, hätten mindestens acht Prozent der Wahlberechtigten Ja sagen müssen.

Sowohl in Kiel als auch in Hamburg nahm die Zahl an Olympia-Gegnern zu. Sie befürchten unter anderem steigende Mieten und soziale Ausgrenzung und beklagen einen Missbrauch der Olympischen Idee durch Konzerne.

Im Zentrum der Kritik steht jedoch die Finanzierungsfrage. Hamburgs Senat hat für die öffentliche Hand Kosten von rund 7,4 Milliarden Euro veranschlagt, von denen die Hansestadt maximal 1,2 Milliarden Euro übernehmen will. Den Rest soll der Bund finanzieren. Eine Zusage steht jedoch weiter aus.

Neben Hamburg und dem Segel-Partner Kiel wollen sich Budapest, Paris, Rom und Los Angeles um die Spiele in neun Jahren bewerben. Die Entscheidung fällt das IOC 2017 in Lima . (dpa)