Ex-Kanzler

Helmut Schmidt im Alter von 96 Jahren gestorben

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Aaron Clamann und Bastian Angenendt
Ein lächelnder Helmut Schmidt während einer Konferenz über die „Spiegel“-Affäre. Am Dienstag ist der Alt-Kanzler gestorben.

Ein lächelnder Helmut Schmidt während einer Konferenz über die „Spiegel“-Affäre. Am Dienstag ist der Alt-Kanzler gestorben.

Foto: Marcus Brandt / dpa

Helmut Schmidt ist tot. Der frühere SPD-Bundeskanzler starb nach Angaben seines behandelnden Arztes am Dienstag in Hamburg.

Hamburg.  Helmut Schmidt ist am Dienstagnachmittag im Kreise seiner Familie in Hamburg gestorben. Das bestätigte sein behandelnder Arzt Heiner Greten. Schmidt wurde 96 Jahre alt.

Der Gesundheitszustand des ehemaligen Bundeskanzlers hatte sich seit dem vergangenen Wochenende stetig verschlechtert. Aus seinem Umfeld hatte es geheißen, man habe mit dem Schlimmsten gerechnet. Sein Kardiologe Karl-Heinz Kuck hatte über den 96-Jährigen gesagt: „Er will und kann nicht mehr.“

Schmidt war am 17. September aus dem Krankenhaus im Hamburger Stadtteil St. Georg entlassen worden und wurde seitdem in seinem Haus in Langenhorn weiter behandelt. Der ehemalige SPD-Politiker war vor zwei Monaten mit einer Blutgefäßverengung im Bein in die Klinik gebracht worden. Die Operation war erfolgreich verlaufen, die Ärzte hatten Schmidt danach auch wieder das Rauchen erlaubt.

Tochter war aus London angereist

Am Wochenende hatte es jedoch Meldungen gegeben, dass Helmut Schmidt auch das Rauchen eingestellt habe, da er dazu nicht mehr in der Lage gewesen sei. Schmidts Tochter Susanne war aus London angereist, um bei ihrem Vater und dessen Lebensgefährtin Ruth Loah zu sein. Vor dem Haus hatten sich bereits früh die ersten Medienvertreter und auch Nachbarn versammelt, als sich die Nachricht vom bevorstehenden Tod verdichtete.

Helmut Schmidt war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler in einer SPD-FDP-Koalition. In Schmidts Amtszeit fielen die Terroranschläge der Roten Armee Fraktion und die anschließende Fahndung nach den Mitgliedern der Gruppe um Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Auch in seiner vorangegangen Zeit als Senator der Polizeibehörde von Hamburg hatte Schmidt mit Krisen zu kämpfen. So agierte er als Krisenmanager während der schweren Sturmflut auf Hamburg im Jahr 1962.

Letzter Raucher im Fernsehen

Der bekennende Hanseat war seit 1983 Mitherausgeber der Wochenzeitung “Die Zeit”. Gemeinsam mit deren Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hatte Schmidt immer wieder in der Kolumne “Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt” Rede und Antwort zu aktuellen politischen Debatten gestanden. Schmidt hatte es sich auch nicht nehmen lassen, auch im Fernsehen zu rauchen – wie auch in seinem letzten großen TV-Interview im April diesen Jahres bei Sandra Maischberger. Darin hatte er auch gesagt: „Ich finde das Alter von 96 ziemlich lästig, aber verhindern kann ich das nicht“, meinte er. „Ich will nicht 100 Jahre werden, aber auch das kann ich nicht verhindern.“

Auch der SPD stand Schmidt bis zuletzt als Ratgeber zur Seite. Innerhalb der Partei galt er als moralische Instanz – auch bei heiklen Themen wie der aktuellen Flüchtlingskrise.

Helmut Schmidt hinterlässt eine Tochter sowie seine Lebensgefährtin Ruth. Schmidts langjährige Ehefrau Hannelore „Loki” Schmidt war am 21. Oktober 2010 in Hamburg gestorben. Die beiden hatten 1942 geheiratet. (ac/ba)

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