Fremdenfeindlichkeit

Festnahmen nach Anschlägen auf Flüchtlinge in Sachsen

| Lesedauer: 3 Minuten
Anti-Asyl-Propaganda in Freital. Mehrere mutmaßliche Mitglieder einer selbst ernannten Bürgerwehr wurden nun festgenommen.

Anti-Asyl-Propaganda in Freital. Mehrere mutmaßliche Mitglieder einer selbst ernannten Bürgerwehr wurden nun festgenommen.

Foto: Arno Burgi / dpa

Die Polizei in Sachsen hat bei einer Razzia drei Männer und eine Frau festgenommen. Es geht dabei auch um Anschläge auf Flüchtlinge.

Dresden.  Nach einer großangelegten Razzia gegen mutmaßliche Mitglieder einer Bürgerwehr im sächsischen Freital hat die Polizei vier Personen vorläufig festgenommen. Gegen einen 26-jährigen Freitaler seien zwei Haftbefehle vollzogen worden, teilten die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das für extremistische Straftaten zuständige Operative Abwehrzentrum gemeinsam mit.

Dem Mann wird versuchte gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung in zwei Fällen vorgeworfen. Außerdem soll er am 24. Juni an einer Auto-Verfolgungsjagd gegen Asylbefürworter beteiligt gewesen sein. In letzterem Verfahren sei bereits Anklage am Amtsgericht Dresden unter anderem wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung und Sachbeschädigung erhoben worden, hieß es.

Auch der mutmaßliche Anführer ist in Haft

Außerdem seien bei der Razzia am Donnerstag drei weitere Tatverdächtige, ein 24- jähriger Dresdner und zwei Freitaler (27 und 28 Jahre), vorläufig festgenommen worden. Der MDR hatte online berichtet, dass es sich bei einem der Festgenommenen um den mutmaßlichen Anführer Timo S. der fremdenfeindlichen Bürgerwehr mit dem Titel „FTL/360“ handelt.

Anlass für die Durchsuchungen von insgesamt neun Wohnungen in Freital und Dresden waren Anschläge in den vergangenen Wochen. So hatte es in der Nacht vom 18. zum 19. Oktober auf ein alternatives Wohnprojekt in Dresden einen Sprengmittel- und Buttersäureanschlag gegeben sowie am 1. November in Freital einen Sprengstoffanschlag auf ein Asylbewerberheim.

Polizei fand Sprengkörper und Kugelbomben

Bei der Razzia wurden der Staatsanwaltschaft zufolge Spreng- oder Brandvorrichtungen sowie Sprengkörper und Kugelbomben gefunden. Auch seien Computer und Datenträger sowie eine Hakenkreuzfahne beschlagnahmt worden.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag Mitte Oktober in Freital stünden insgesamt sechs Männer und eine Frau im Alter zwischen 18 und 36 Jahren in Verdacht, hieß es weiter. Ihnen wird gemeinschaftliches Handeln mit versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Zwei Freitaler aus der Gruppe sollen außerdem an dem Sprengstoffanschlag auf ein Freitaler Asylbewerberheim beteiligt gewesen sein. Bei dem Anschlag wurde ein Flüchtling durch umherfliegende Glassplitter verletzt. Den beiden mutmaßlichen Tätern werden gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung zur Last gelegt.

Innenminister kündigt harte Linie an

Sachsen hatte zur Aufdeckung gestiegener Angriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte ein Spezialdezernat eingerichtet. Es ist bei der bereits bestehenden Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) angesiedelt. Die Razzia am Donnerstag von Polizei und Staatsanwaltschaft sei ein Ergebnis „erster Ermittlungserfolge“ und ein Zeichen dafür, „dass wir sehr konsequent gearbeitet haben“, erklärte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU).

Ulbig kündigte an, dass Sachsen „gegen rechte Gewalttäter und Brandstifter“ auch in Zukunft konsequent vorgehen werde. „Gewalt gegen Flüchtlinge und feige, nächtliche Übergriffe auf Asylunterkünfte sind auch in der aktuellen europäischen Flüchtlingskrise in keiner Weise zu tolerieren“, sagte Ulbig. In Freital und der Umgebung hat es in den vergangenen Monaten mehrfach Übergriffe auf Asylunterkünfte sowie Büros und Privateigentum von asylfreundlichen Politikern gegeben. (epd)

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos