Altersversorgung

So gut leben Rentner in Deutschland wirklich

Die Altersbezüge für die mehr als 20 Millionen Rentner steigen so stark wie lange nicht. Experten sehen aber Risiken in der Zukunft.

Ganz so entspannt ist der Lebensabend nicht für jedes Rennerehepaar: Vielen droht Altersarmut.

Ganz so entspannt ist der Lebensabend nicht für jedes Rennerehepaar: Vielen droht Altersarmut.

Foto: iStock/Monkey Business Images

Berlin.  So ein deutliches Plus haben die mehr als 20 Millionen Rentner in Deutschland lange nicht bekommen: Im nächsten Jahr – genauer: zum 1. Juli – werden ihre Altersbezüge um bis zu fünf Prozent steigen. „Das könnte die größte Rentenanpassung seit der Jahrhundertwende werden“, sagte der Vorsitzende der Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel. Endgültig wird die Rentenanpassung im kommenden Frühjahr festgelegt, wenn klar ist, wie stark die Löhne und Gehälter im Jahr 2015 gestiegen sind.

Eine unverbindliche Schätzung der Rentenexperten hat bereits ergeben, dass Rentner in Westdeutschland mit einer Erhöhung ihrer Bezüge um 4,35 Prozent rechnen können. Im Osten sollen es 5,03 Prozent sein. Von 2017 an erwartet die Bundesregierung dann geringere Steigerungsraten. Durchschnittlich könnten es 2,0 bis 2,5 Prozent werden. Auch in diesem Jahr ging es in Ost und West jeweils um gut zwei Prozent nach oben. Zur Orientierung: Die Standardrente, die das Ideal nach 45 Beitragsjahren markiert, beträgt derzeit 1300 Euro (West).

Da die Durchschnittslöhne der zentrale Faktor für die Berechnung sind, waren die Renten, nach etlichen Nullrunden im vergangenen Jahrzehnt, seit 2011 wieder gewachsen – zuletzt deutlich schneller als die Inflationsrate. Die Rentner hatten also tatsächlich „mehr“ in der Tasche. Sie werden beim Zuwachs im kommenden Jahr sogar die Arbeitnehmer überholen.

Viele Rentner arbeiten nebenher und verdienen zusätzlich

Damit stehen die derzeitigen Rentner in Deutschland ganz gut da. „Im internationalen Vergleich geht es den deutschen Rentnern im Durchschnitt gut“, sagt Gert Wagner, Vorsitzender des Sozialbeirats der Bundesregierung und Vorstand des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW. Rechne man die Alterseinkünfte, also Rente und Betriebsrente, zusammen, lägen Rentner sogar vergleichsweise nahe am Durchschnitt aller Einkommen in Deutschland. „Das Armutsrisiko im Alter ist derzeit gering, es ist in der jüngeren Vergangenheit nur minimal angestiegen“, sagt Wagner. Das sei in anderen Ländern Europas zum Teil deutlich anders.

Untersuchungen des DIW haben ergeben, dass viele Rentner weiterhin arbeiten und es so schaffen, dass ihr monatliches Haushaltseinkommen im Schnitt nur wenig geringer ist als das anderer Erwerbstätiger. In vielen Fällen scheine nicht die finanzielle Not der Grund für die Arbeit zu sein, meinen die DIW-Experten. Auch ohne ihren Verdienst würde der überwiegende Teil der Erwerbstätigen im Rentenalter auf ein monatliches Haushaltsbudget kommen, das über der Grenze liegt, ab der ein „Armutsrisiko“ vorliegen könnte.

Sozialforscher Wagner sieht dennoch das Risiko von Armut im Alter als eines der wichtigsten Themen in den nächsten Jahren. „Gerade in Ostdeutschland werden zunehmend Menschen in Rente gehen, die nach der Wende zum Teil lange arbeitslos waren“, sagt er. Wie ihnen geholfen werde, sei eine politische Entscheidung. Auch der Sozialverband VdK sieht die Gefahr von Altersarmut, sie werde durch die vorausgesagte starke Anhebung bestehender Renten nicht gebannt. „Die Neurenten befinden sich seit Jahren im rasanten Sinkflug“, sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Schuld daran sei das absinkende Rentenniveau. Heute liege es bei 47,4 Prozent. Es müsste aber mindestens auf 50 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns eingefroren werden.

Rekordbeschäftigung soll Bestand haben

Die gute Nachricht für Arbeitnehmer und Arbeitgeber lautet, dass der Beitragssatz für die Rentenversicherung aufgrund der guten Wirtschaftslage und der Rekordbeschäftigung länger bei 18,7 Prozent bleiben wird als bislang angenommen. Erst 2021 steigt er nach derzeitiger Einschätzung in einem großen Sprung auf 19,3 Prozent.

Der Vorsitzende Gunkel, der die Arbeitgeberseite in der Spitze der Rentenversicherung vertritt, rechnet zunächst nicht mit nennenswerten Auswirkungen des Flüchtlingszuzugs auf die Rentenversicherung. „Soweit es aber im Lauf der Zeit gelingt, die Flüchtlinge in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen zu bringen, können die zusätzlich gezahlten Beiträge die Rentenversicherung vorübergehend entlasten“, sagte er. Erst langfristig ergäben sich daraus Rentenzahlungen. Deren Höhe sei derzeit schwer abschätzbar, weil unklar sei, welche Gehälter Migranten verdienen werden.

Für den überdurchschnittlich hohen Anstieg der Altersbezüge sind neben guter Konjunktur und Beschäftigung statistische Einmaleffekte verantwortlich. So fiel durch eine Revision der Gesamtberechnung der Durchschnittslöhne die Rentenanpassung 2015 um rund einen Prozentpunkt zu niedrig aus. Dieser Effekt wird nun wieder ausgeglichen.

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