Studie

Jugendliche in der EU sind Verlierer der Wirtschaftskrise

Die wirtschaftliche Lage in Europa erholt sich. Doch für die junge Generation stehen die Chancen eher schlecht – auch in Deutschland.

Vor allem im Süden Europas haben es selbst Hochqualifizierte schwer, Arbeit zu finden.

Vor allem im Süden Europas haben es selbst Hochqualifizierte schwer, Arbeit zu finden.

Foto: © Jose Manuel Ribeiro / Reuters / REUTERS

Gütersloh.  26 Millionen Kinder und Jugendliche sind nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in der Europäischen Union von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Damit sind die Jüngeren die größten Verlierer der Wirtschafts- und Schuldenkrise der vergangenen Jahre in der EU. Fast 30 Prozent aller unter 18-Jährigen sind betroffen. Weit über 5 Millionen der Jungen haben sogar nur geringe Zukunftsperspektiven, da sie weder Ausbildungsplatz noch Arbeit finden. Die Studie zur sozialen Gerechtigkeit (Social Justice Index), die der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag und am Dienstag vorgestellt wird, beleuchtet zum zweiten Mal nach 2014 die Entwicklung in allen 28 EU-Staaten anhand von 35 Kriterien.

Insgesamt hat sich Deutschland seit der ersten Studie nur leicht verbessert und erreicht unverändert lediglich den siebten Platz im EU-Vergleich. Seit 2008 – damals war die Erhebung noch nicht so umfassend wie heute – konnte Deutschland jedoch seinen Index-Wert von 6,16 auf 6,52 steigern. Der EU-Schnitt liegt bei 5,63. Spitzenreiter bleibt Schweden (7,23), Griechenland landet mit 3,61 auf dem letzten Rang. Neben einer wachsenden Kluft zwischen Alt und Jung gibt es in der EU damit auch weiterhin ein deutliches Nord-Süd-Gefälle.

„Wir können uns eine verlorene Generation in Europa weder sozial noch ökonomisch leisten. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen besondere Anstrengungen unternehmen, um die Chancen junger Menschen nachhaltig zu verbessern“, sagte Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, zum Ergebnis der Studie.

Deutschland punktet mit niedriger Jugendarbeitslosigkeit

Gut schneidet Deutschland vor allem bei der Lage auf dem Arbeitsmarkt ab: So ist die Bundesrepublik das Land mit der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit (7,7 Prozent) im EU-Vergleich und landet mit einer Beschäftigungsquote von 73,8 Prozent auf Platz zwei hinter Schweden. Die Forscher bemängeln allerdings, dass es mit 40 Prozent einen zu großen Anteil von atypischen Beschäftigten in Deutschland gebe. Diese Menschen sind trotz Vollzeitjob von Armut bedroht – wegen befristeter Verträge und niedrigen Lohns.

Bei der Generationengerechtigkeit hat sich die Bundesrepublik im Vergleich zu 2014 von Rang 10 auf 15 verschlechtert. So müssen bei den unter 18-Jährigen etwa 5 Prozent mit schweren materiellen Entbehrungen leben. Bei den über 65 Jahren alten Bundesbürgern sind es 3,2 Prozent. Auch beim Bildungszugang sei der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu groß, beklagt die Bertelsmann-Stiftung.

Stiftung fordert Strukturreformen für den Süden Europas

Bei den Staaten im Süden Europas fordert die Stiftung weitere Strukturreformen, um der hohen Jugendarbeitslosigkeit entgegenzuwirken. „Dort kommen viele Hochqualifizierte nicht auf dem Arbeitsmarkt an. Der Übergang von der Bildung in den Job funktioniert nicht“, sagt Daniel Schraad-Tischer, Experte der Bertelsmann-Stiftung.

Die Studie zum EU-Gerechtigkeitsindex untersucht jährlich die Teilhabechancen in den 28 EU-Mitgliedstaaten. Dabei werden anhand von 35 Kriterien sechs verschiedene Bereiche betrachtet: Armut, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Generationengerechtigkeit sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt und Nicht-Diskriminierung. Stichtag war der 25. August 2015.