Angela Merkel bleibt dabei: „Wir schaffen das.“ Davon sei sie „ganz fest überzeugt“. Auch im Fernseh-Talk mit Anne Will in der ARD zeigte sich die Bundeskanzlerin betont optimistisch, dass Deutschland die Flüchtlingskrise mit rund einer Million Zuzüglern oder mehr bewältigen kann: „Man kann mit Willen sehr, sehr viel schaffen.“ Sie selbst sei als Regierungschefin bereit, „für die Frage so hart zu arbeiten wie ich es nur kann“.
Der Auftritt bei „Anne Will“ war ungewöhnlich für Merkel, aber nicht ihr erster. Schon 2009 war die Kanzlerin im Bundestagswahlkampf bei Will zu Gast – damals sendete die Talkmasterin allerdings noch am publikumsträchtigeren Sonntagabend. Später ließ sich die Regierungschefin auch von Günther Jauch, Wills Nachfolger auf dem sonntäglichen Sendeplatz interviewen: Im September 2011 zur griechischen Schuldenkrise. Nun also wieder bei Will.
Merkel betonte, sie sei stolz darauf, „dass wir die Flüchtlinge freundlich empfangen“. Sie wolle „keinen Wettbewerb, wer die Menschen am unfreundlichsten behandelt“. Was sie denn von einem Aufnahmestopp halte, wie er auch aus Reihen der Union gefordert wird, wollte Gastgeberin Will wissen. „Wie soll das funktionieren?“, fragte die Kanzlerin zurück. „Wenn man einen Zaun baut, werden die Menschen andere Wege finden.“ Es sei ihre Aufgabe als Bundeskanzlerin, die Flüchtlingskrise zu bewältigen: „Jetzt hab ich eine schwere Aufgabe. Ich muss meinen Weg gehen.“
Sie habe keinen Plan in der Flüchtlingskrise, hatte CSU-Chef Horst Seehofer der Bundeskanzlerin kürzlich vorgeworfen. Nun konterte Merkel: „Ich habe einen Plan. Aber der hängt nicht von mir allein ab.“ Die Lage in den Bürgerkriegsländern Syrien und Irak und in den Flüchtlingslagern in der Türkei beeinflusse den Flüchtlingsstrom Richtung Europa. Dort müsse man künftig verstärkt ansetzen und Hilfe leisten. Zudem müsse Europa als Ganzes seiner Verantwortung in der Krise gerecht werden und nicht nur einige Länder: „Das ist schon mal ein harter Kampf.“
Merkel bestritt, dass die Fotos der Bundeskanzlerin, die vor Aufnahmeeinrichtungen Selfies mit Flüchtlingen mache, viele Flüchtlinge dazu animiert hätten, gezielt nach Deutschland zu reisen: „Nicht meine Bilder sind um die Welt gegangen, sondern die vom Bahnhof in München“, so Merkel. Dort hatten zahlreiche Helfer die ankommenden Flüchtlinge herzlich empfangen. Dies habe Deutschland „ein freundliches Gesicht gegeben“, sagte Merkel. „Das ist mein Land.“

