Talk bei Anne Will

Basta: Angela Merkel bleibt dabei - „Wir schaffen das“

Die Bundeskanzlerin ging bei Anne Will in die Offensive. Sie stellte sich Fragen zur Flüchtlingskrise. Bestimmt. Souverän. Stark.

In der TV-Talkshow spricht Merkel mit Will unter anderem über die aktuelle Flüchtlingskrise

In der TV-Talkshow spricht Merkel mit Will unter anderem über die aktuelle Flüchtlingskrise

Foto: Michael Kappeler / dpa

„Wir schaffen dass, davon bin ich ganz fest überzeugt“, entgegnete Angela Merkel klar auf die Frage von Anne Will, ob sie ihre gleichlautende und viel diskutierte Aussage wiederholen würde.

Ebenso betonte die Kanzlerin energisch pochend auf ihre Rolle und Verantwortung als Kanzlerin, dass sie in einer schwierigen und auch einer emotional unübersichtlichen Situation Verantwortung übernommen hat. Und das würde auch von ihr verlangt. Ein bisschen klang wieder ein Basta durch, mit der sie manchmal Fragen mit Verweis auf ihre Rolle als Kanzlerin abschmettert.

Merkel lächelt und komplimentiert. Warum erntet Horst Seehofer mit seiner Abschottungsrhetorik (Anne Will) mehr Zuspruch als sie selbst? Merkel kassiert die Frage und verweist wieder: „Meine Verantwortung als Bundeskanzlerin ist, dass ich dafür sorgen muss, dass alles in geordneten Bahnen läuft. Ich muss das Problem lösen. Da muss ich meinen Weg auch gehen. Ich habe einen Plan.“

Will Angela Merkel ihre Kanzlerschaft opfern?

Merkel zeigt sich stark und entschlossen. Auf die Frage, ob sie für die Flüchtlingskrise ihre Kanzlerschaft opfern würde, formuliert sie authentisch, unprätentiös und ehrlich: „Es ist die größte Aufgabe seit der Wiedervereinigung. Ich bin bereit für diese Frage zu arbeiten, so hart wie ich es kann.“

Und dann wieder: „Die Menschen sollen aber schon wissen, wer ihre Kanzlerin ist!“ Die Sendung ist eine Reise durch Merkels Führungsstil. Sie zieht in entscheidenden Momenten die Zügel an, um klar zu machen, wer der Chef ist, überstürzt aber keine Maßnahmen, was Kritiker ihr als Aussitzen attestieren. Sie brilliert mit Detailkenntnis, kokettiert mit ihrer Intelligenz und Logik als Physikerin. Sie kann plaudern, argumentieren und überzeugen. Und die Basta-Mentalität ist eine notwendige Chefattitüde, die aber nicht überstrapaziert werden darf. Deshalb variiert sie, gibt dem Gesprächspartner gerne mal recht, lobt selbst Kritiker und fordert mit diesem Tempowechsel ihrer Herausforderer wie Anne Will, deren Taktung der Fragen zum Ende der Sendung merklich abnimmt.

Haben Sie Thomas de Maizière entmachtet, fragt Will in Oppositionsmanier? „Natürlich nicht. Ich brauche ihn, mehr denn je.“ - Sie werden ihn nicht entlassen, schiebt Will nach: „Nein“. Mehr war nicht zu sagen.

Inhaltlich kündigt Angela Merkel nicht viel Neues zur Debatte um sichere Herkunftsländer, die Regulierung des Zustroms oder dazu, wie sie die Sorgen der Menschen in Deutschland entkräften will, an. Der Wert der Sendung an sich war, dass sie sich der Öffentlichkeit stellt. Souverän und ohne Zeichen von Schwäche. Sie geht nicht auf emotionale Sticheleien ein, sondern fokussiert sich auf den Kern der Sache. Sie hält an ihrem Flüchtlingskurs fest, obgleich auch die Kritik aus den eigenen Reihen zunimmt - zuletzt geäußert durch einen offenen Brief.