Flüchtlingskrise

Dänemark stellt Bahnverbindung nach Deutschland ein

Die dänische Polizei hat die Bahn angewiesen, den Verkehr zwischen Deutschland und Dänemark einzustellen - wegen der Flüchtlinge.

Flüchtlinge sitzen bei Krusa in der Nähe von Padborg (Dänemark) auf der Fahrbahn der dänischen Autobahn E 45 in Richtung Norden. Die Flüchtlinge wollen sich nicht in Dänemark registrieren lassen, sondern zu Fuß weiter nach Schweden reisen. Zuvor hatte die dänische Polizei an den Grenzen die Züge mit den aus Deutschland ankommenden Flüchtlingen angehalten und an der Weiterreise nach Schweden gehindert

Flüchtlinge sitzen bei Krusa in der Nähe von Padborg (Dänemark) auf der Fahrbahn der dänischen Autobahn E 45 in Richtung Norden. Die Flüchtlinge wollen sich nicht in Dänemark registrieren lassen, sondern zu Fuß weiter nach Schweden reisen. Zuvor hatte die dänische Polizei an den Grenzen die Züge mit den aus Deutschland ankommenden Flüchtlingen angehalten und an der Weiterreise nach Schweden gehindert

Foto: Karsten Sörensen / dpa

Angesichts Hunderter ankommender Flüchtlinge hat die dänische Bahn ihren Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark auf unbestimmte Zeit eingestellt. Zwischen Flensburg und Padborg in Südjütland sollten auf Anweisung der Polizei keine Züge mehr fahren, sagte ein Sprecher der Bahngesellschaft DSB. Gleiches gelte auch für Züge, die auf der Fähre zwischen Fehmarn und Rødby auf der Insel Lolland transportiert würden.

Eine Fähre aus Fehmarn mit etwa hundert Flüchtlingen an Bord hatte die Polizei am Mittwoch im Hafen von Rødby gestoppt. Andere Fähren müssten vor Rødby warten. Seit der Nacht zu Mittwoch waren etwa 330 Flüchtlinge auf Lolland angekommen. Mehrere Hundert waren mit dem Zug nach Padborg bei Flensburg gelangt.

900 weitere Flüchtlinge in Berlin angekommen

Unterdessen hält der starke Zustrom von Flüchtlingen nach Berlin an: Am Dienstag kamen nach Angaben des Senats knapp 900 Asylsuchende in die Hauptstadt. Die inzwischen größte Notunterkunft - die Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne mit Berlins erster Zeltstadt - ist mit 1600 Flüchtlingen inzwischen fast komplett belegt. Berlins Umgang mit den Flüchtlingen ist am Donnerstag auch Thema der Aktuellen Stunde im Abgeordnetenhaus. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) wird für den Senat dazu sprechen.

Während sich Hunderte ehrenamtliche Helfer überall in der Stadt um die Flüchtlinge kümmern, verunglimpft die rechtsextremistische NPD diese weiter als „Asylbetrüger“. Auf eine erst am Dienstag eröffnete Notunterkunft in Marzahn verübten Unbekannte in der Nacht einen Brandanschlag. Verletzt wurde niemand.

Rund 500 Flüchtlinge trafen am Dienstag aus Ungarn ein, knapp 400 meldeten sich in der Zentralen Anlaufstelle beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), wie eine Sprecherin der Sozialverwaltung am Mittwoch sagte. Insgesamt sprachen aber mehr als 3000 Flüchtlinge am Dienstag im LaGeSo vor, darunter 780 in der Leistungsstelle zur Auszahlung von Geld und Hunderte, die bereits registriert sind, für andere Anliegen.

Insgesamt nahm Berlin vom 1. bis 8. September 1826 Asylbewerber auf. Anfang August waren es im selben Zeitraum 1146, im September 2014 nur 400.

Suche nach neuen Unterkünften

Die Berliner Unterbringungsleitstelle sei ständig auf der Suche nach weiteren Flüchtlingsquartieren, hieß es. Noch am Dienstag wurde das von Vattenfall zur Verfügung gestellte siebenstöckige Bürogebäude in der Storkower Straße belegt. Zunächst zogen dort 200 Menschen ein. 250 weitere wurden in einer leerstehenden Schule in Marzahn untergebracht. Auf dessen Gelände am Glambecker Ring in Marzahn warfen Unbekannte eine brennende Bengalo-Fackel. Die Täter entkamen unerkannt. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

„Taten einer radikalen Minderheit wie diese heute Nacht zeigen, wie wichtig es ist, dass sich die Mehrheit klar für Menschen in Not positioniert“, erklärte Berlins Sozialsenator Mario Czaja (CDU). Er sei „entsetzt“ von dem Hass, der aus der Tat spreche. Den Schutzsuchenden zu helfen, sei „unsere humanitäre Pflicht“.

Eine ausländerfeindliche Kundgebung von acht Anhängern der rechtsradikalen NPD vor dem LaGeSo wurde von rund 60 Gegendemonstranten gestört. Die Neonazis erklärten: „Das Boot ist voll! Asylbetrüger abschieben.“ Die Aktionen verliefen nach Angaben der Polizei friedlich.

Auch in die ersten der sechs umfunktionierten Turnhallen wurden Flüchtlinge einquartiert. 100 kamen in Neukölln unter. Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sagte dem Sender radioeins, solche Notunterkünfte seien in dieser Notfallsituation unvermeidlich. Sie zeigte sich jedoch überrascht, dass gut die Hälfte der Asylsuchenden nach einer kurzen Erfrischung weitergezogen sei und sich nicht registrieren lassen wollte. Sie wollten nach Schweden, in andere deutsche Städte oder zu Verwandten. „Das ist eine Situation, wo ein Stück weit der Überblick über die Menschen verloren geht“, sagte Giffey.