Politik

Union will den starken Mann

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Marcel Stein

Der Zeitpunkt erscheint günstig, um etwas zu ändern bei einer Fußballmannschaft, bei der es nicht läuft. Den Trainer früh entlassen, damit der neue viel Zeit hat, alles zu korrigieren. Genau das hat der 1. FC Union getan, indem er sich nach fünf Spieltagen in der Zweiten Liga von Norbert Düwel trennte. Jetzt in der Länderspielpause können sich der Nachfolger und das Team zudem in Ruhe kennenlernen.

Wer etwas genauer hinsieht, mag dieser Logik nicht unbedingt folgen. Natürlich will Union mehr als das, was die Tabelle gerade ausdrückt. Das Ziel, zu den sportlich besten 20 Klubs in Deutschland zu zählen, wurde im Frühjahr formuliert. So, wie der Verein agiert, könnte es aber länger als erwartet dauern, bis er soweit ist. Union ließ Düwel im Sommer gewähren, er stellte sich einen Kader nach seinen Wünschen zusammen. In dieser Hinsicht besteht nun erst einmal kein Spielraum mehr, denn die Entlassung erfolgte am letzten Tag der Sommer-Transferperiode. Ein neuer Trainer kommt oft mit anderen Vorstellungen. Der Kader ist jetzt nicht seiner, und ob das Team seine Vorstellungen umsetzen kann, ist offen. Ein weiteres Übergangsjahr muss also durchaus einkalkuliert werden.

Ob das nötig war, ist eine andere Frage. Das jüngste Unentschieden gegen Leipzig gab nicht den Ausschlag. Überhaupt besteht nach nur einer Niederlage in fünf Ligaspielen keine erhöhte Dringlichkeit für solche Maßnahmen. Vielmehr entwickelte sich über viel längere Zeit eine grundsätzliche Unzufriedenheit. Hinter den Kulissen sehnt sich der Verein nach einem starken Mann als Trainer. Einer, der Gewicht hat im Klub, bei den Fans, bei der Mannschaft, im Fußball ganz allgemein. Wahrscheinlich setzte dieser Sinneswandel schon vor Saisonbeginn ein.

Mit Düwel holte Union im Sommer 2014 genau das Gegenteil, einen unerfahrenen Übungsleiter, der in Köpenick erstmals einer Profimannschaft vorstand. Dieses Experiment ging nicht auf, im Verein empfand man es wohl so, dass Düwel aus den gebotenen Möglichkeiten aufgrund seiner schwachen Reputation zu wenig herausholen konnte. Der neue Trainer, Sascha Lewandowski soll es werden, ist ein Mann mit Bundesliga-Erfahrung.