Google

Alphabet als „Modell für Unternehmen der digitalen Wirtschaft“

| Lesedauer: 3 Minuten
Jürgen Stüber
Gesche Joost, Internetbotschafterin der Bundesregierung

Gesche Joost, Internetbotschafterin der Bundesregierung

Foto: Amin Akhtar

Internet-Botschafterin Gesche Joost über das neue Google und die Auswirkung auf Politik, Wirtschaft und Verbraucher

Berlin. Als Digital Champion und Internetbotschafterin für die Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Kommission in Brüssel hat Gesche Joost häufig mit dem Suchmaschinenkonzern Google zu tun, der sich künftig Alphabet nennt. Die Politik warf dem Unternehmen mehrfach den Missbrauch seiner Marktmacht vor und leitete Kartellverfahren ein. Jürgen Stüber sprach mit der Politikerin, die im Hauptberuf als Professorin für Design an der Universität der Künste lehrt und forscht, über die Auswirkungen der neuen Struktur des Unternehmens.

Berliner Morgenpost: Frau Joost, welche Auswirkungen hat die neue Google-Struktur auf die Politik? Ist der Suchriese für den Gesetzgeber durch die Umstrukturierung besser oder schlechter zu greifen?

Gesche Joost: Was Google gemacht hat, war ein logisch richtiger Schritt, der zu mehr Übersichtlichkeit führt. Das ist für die politische Debatte ganz gut, weil es jetzt unterschiedliche Bausteine gibt, aus denen das Unternehmen zusammengesetzt ist. Google ist dadurch schlanker geworden und es wird einfacher werden, Probleme beim Datenschutz und Wettbewerbsrecht gezielter an das richtige Teilunternehmen zu adressieren.

Wird auch der Verbraucher von der neuen Struktur etwas spüren? Für Verbraucher war es ja schwierig, Rechte einzufordern.

Ich hoffe das. Denn Google ist für den Verbraucher ein undurchsichtiges Unternehmen. Man weiß nicht, welche persönlichen Daten von dem Konzern wie genutzt werden. Es hat auf der europäischen Ebene viele Bestrebungen für mehr Übersichtlichkeit des Unternehmens gegeben. Kleinere Einheiten sind hier vorteilhaft, weil sie zu mehr Transparenz führen.

Sehen sie Alphabet als Vorgriff auf eine denkbare Spaltung?

Ich weiß es nicht. Das war sicher nicht die Intention bei der Wahl einer neuen Unternehmensstruktur. Aber das wird man in den nächsten Jahren beobachten müssen. Hier sehen wir den Schritt eines Unternehmens vom organischen Wachstum zu einer strukturierten Holding.

Manche sagen, Google habe seinen Zenit überschritten. Hilft die neue Struktur Google, sich gegen Facebook und andere Konkurrenten zu behaupten?

Das könnte die Überlegung gewesen sein, die hinter dieser Entscheidung stand. So lassen sich leichter Geschäftsfelder trennen, die mehr oder weniger profitabel sind. In dem Unternehmen gab es viele inspirierende Ideen, aber die Struktur von Google ist nie klar gewesen. Da gibt es zum einen die Suchmaschine, zum anderen entwickelt das Unternehmen smarte Kontaktlinsen.

Was bedeutet die neue Struktur für andere Unternehmen der digitalen Wirtschaft – zum Beispiel für die vielen Start-ups?

Die Transformation von Google ist ein Rollenmodell für schnell wachsende Unternehmen der digitalen Wirtschaft, das Nachahmer finden wird. Google hatte immer den Charme einer großen Erfinderbude und ist jetzt erwachsen geworden. Alphabet, die neue Holding, bietet auch neue Schnittstellen, was für andere Unternehmen bei der Suche von Partnern interessant wird.

Und was soll uns der neue Name der Holding, Alphabet, sagen?

Die Google-Gründer haben eine sehr ambitionierte Namensgebung gewählt. Man könnte sie auch etwas größenwahnsinnig nennen. Der Konzern macht damit seinen allumfassenden Anspruch geltend, Dienstleistungen von A bis Z anzubieten.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos