Washington –

Republikaner laden Trump aus

Nach sexistischen Äußerungen überwirft sich Präsidentschaftsbewerber auch mit Top-Berater

Washington.  Die von wüsten Beleidigungen geprägte Präsidentschaftskandidatur Donald Trumps wird nach neuen frauenfeindlichen Entgleisungen des New Yorker Bau-Unternehmers für die republikanische Partei in Amerika immer mehr zum Klotz am Bein. „Wir müssen aufhören, diesen Mann mit Samthandschuhen anzufassen“, sagte der ebenfalls um die Nominierung für 2016 ringende Senator Lindsey Graham, „es ist besser, wir verlieren ohne Trump als dass wir versuchen, mit ihm zu gewinnen.“

Auslöser für Grahams Breitseite: Trump hatte sich nach der von 24 Millionen Amerikanern (Rekordquote) verfolgten Fernsehdebatte der zurzeit zehn aussichtsreichsten Kandidaten in Cleveland massiv über die Moderatoren des veranstaltenden Senders Fox News beschwert. „Sie waren zu niemandem härter als zu mir“, sagte der 69-Jährige im Anschluss und nahm gesondert die für unerschrockene Fragen bekannte Megyn Kelly ins Visier. Der blonde Star des Senders hatte Trump vor laufender Kamera mit dessen Hass-Tiraden gegen Frauen konfrontiert („fette Säue“, „Schweine“, „hässliche Tiere“) und gefragt, ob solche Ausfälle mit dem höchsten Staatsamt vereinbar seien. Trump tat die Kritik mit dem Hinweis ab, politische Korrektheit sei ihm zuwider. Später feuerte er auf CNN zurück und verstieg sich zu einer Behauptung, die in US-Medien übereinstimmend so gelesen wurde: Kelly hatte ihre Tage – darum war sie so aggressiv. Wörtlich sagte Trump: „Man kann sehen, dass Blut aus ihren Augen herauskam, dass Blut wo auch immer bei ihr herauskam.“

Kaum war der Satz im Raum, der ähnlich kalkuliert wirkte wie Trumps Beleidigung gegen den Kriegsgefangenen und heutigen Senator John McCain („Ich mag Leute, die sich nicht gefangen nehmen lassen“), kam via soziale Medien eine Protestwelle in Gang. Carly Fiorina, die einzige Frau im republikanischen Bewerberfeld, schrieb: „Donald Trump. Dafür. Gibt. Es. Keine. Entschuldigung.“

Konsequenzen gezogen

Wie Graham so befürchten auch andere Top-Republikaner wie Scott Walker und Mike Huckabee, dass Trumps Ausfälle den weiblichen Teil der Wählerschaft, rund 53 Prozent, nachhaltig vergrätzen. „Das fällt auf uns alle zurück“, sagte Graham und forderte Parteichef Reince Priebus auf, Trump endlich zu bremsen. „Wir müssen sagen: Donald, es reicht. Geh nach Hause.“

Weil Priebus als strukturell macht- und rückgratlos gilt, zog der einflussreiche Medien-Stratege Erick Erickson (www.redstate.com) am Wochenende unerwartet die Konsequenz und lud Trump kurzerhand von einem wichtigen Treffen der Konservativen in Atlanta wieder aus. „Ich will niemanden auf der Bühne habe, der feindselige Fragen einer Lady mit hormonellen Problemen erklärt“, sagte Erickson.

Trump reagierte gewohnheitsmäßig. Erst beschimpfte er seine Kritiker als „politisch korrekte Trottel“. Dann ließ er über seine PR-Berater verlauten, er habe nie andeuten wollen, dass womöglich Kellys Menstruation ihren Fragestil beeinflusst habe, so etwas könne sich doch nur ein „Perverser“ ausdenken. Welchen Austrittsort des Blutes er denn dann gemeint habe, wollten US-Medien wissen. Trumps Antwort: die Nase.

Während die jüngste Eskapade Trumps in den politischen Frühschoppen-Sendungen am Sonntag Kopfschütteln auslöste, fürchten gemäßigte Republikaner einen dauerhaften Image-Schaden. „Wir können keine substanzielle Debatte über die Probleme unsere Landes führen“, sagte stellvertretend der ehemalige Senator von New Hampshire, Judd Gregg, „solange wir von dieser Person dauernd abgelenkt werden.“ Eine Einschätzung, die offenbar bereits bis in Trumps Führungszirkel hinein geteilt wird. Roger Stone, bisheriger Chef-Berater, der bereits für Richard Nixon aktiv war, ist am Wochenende ausgestiegen. Trump sagt, er habe ihn gefeuert. Stone hielt dagegen: Ich bin wegen Megyn Kelly gegangen.