Der Debattenabend in Cleveland begann schlecht für Donald Trump. Die Moderatoren von Fox-News starteten mit geschickt gelegten Fallen für den Immobilien-Tycoon: Wer der republikanischen Kandidaten auf der Bühne würde als Unabhängiger antreten, wenn er die Nominierung der Partei nicht gewinnen würde? Da stand Trump nun und war der Einzige, der seine Hand hob. Er bestätigte damit Gerüchte, er würde auch antreten, wenn er von den Republikanern in den Vorwahlen einen Korb bekommt. Das würde den Republikanern jegliche Chance nehmen, das Weiße Haus zu erobern, weil die konservativen Stimmen aufgespalten würden. Trumps Ego ist ihm wichtiger als die konservative Sache, so verstanden es die Leute im Saal und Millionen Fernsehzuschauer auch.
Gegen Moderatorin ausgekeilt
Doch damit hatte die Entzauberung Trumps erst begonnen. Als Nächstes fragte Moderatorin Megyn Kelly, warum er so oft abschätzige Bemerkungen über Frauen mache, und Trump antwortete, dass es nur eine einzige Frau betreffe und er schlicht keine Zeit habe, politisch korrekt zu sein. Als er dann aber noch gegen die Moderatorin auskeilte, war irgendwie klar, dass dies nicht Trumps bester Abend werden würde.
Trump hatte in den vergangenen Wochen die Nachrichten beherrscht und andere republikanische Bewerber verdrängt. Und auch in dieser Debatte beanspruchte er die meiste Redezeit, aber jenseits des Themas Einwanderung blieb Trump blass.
Der Rest des Feldes ließ sich grob in zwei Gruppen aufteilen: die, die eher an die konservative Basis appellierten, angeführt von Scott Walker, Mike Huckabee und Ted Cruz, und jene, die auf ihre Wählbarkeit im Kampf gegen Hillary Clinton abhoben und moderatere Positionen vertraten. An allererster Stelle war das Jeb Bush, der eine eloquente Verteidigung seiner bildungspolitischen Positionen ablieferte, obwohl er für nationale Standards eintritt, was die meisten Republikaner als zentralstaatliche Einmischung in lokale Befugnisse ansehen. Und er verteidigte seine weicheren Positionen in Einwanderungsfragen und setzte eine komplexe Position gegen Trumps Simplifizierungsstrategie. Er trat sogar für die Möglichkeit illegaler Einwanderer ein, Staatsbürger zu werden, wenn sie eine lange Reihe von Bedingungen erfüllen würden. Das sind nicht gerade Positionen, mit denen man sich beliebt macht bei der republikanischen Basis. Aber Bush, der nicht gerade als charismatischer Redner gilt, hatte Momente, in denen er echte Überzeugung ausstrahlte und am ehesten einen seriösen, präsidentiellen Eindruck hinterließ.
Amerikaner möchten von ihren Präsidentschaftsanwärtern aber auch gerne eine Vision und Zukunftsoptimismus geliefert bekommen. Am besten brachte das Marco Rubio zustande. Der junge Senator aus Florida präsentierte sich als der Sohn kubanischer Einwanderer aus armen Verhältnissen, dessen Biografie Ausdruck des amerikanischen Traums ist und der in der Lage wäre, Hillary Clinton beim Thema Armut und Aufstiegschancen Paroli zu bieten. „Wie soll Hillary mir Vorträge halten darüber, wie man von Lohntüte zu Lohntüte lebt, ich bin aufgewachsen von Lohntüte zu Lohntüte“, sagte er. Angesichts der Debatte im Land, dass der amerikanische Traum in der Krise ist und Aufstieg immer schwieriger wird, bietet sich Rubio an als jemand, der dem gefährlichen Vorwurf entgegentreten kann, die Republikaner würden nur die Interessen der Reichen vertreten.
Gouverneur aus Ohio überraschte
Dann waren da noch die Überraschungen: Der bisher an dritter Stelle rangierende Scott Walker konnte nicht so richtig überzeugen. Rechtsaußen Ted Cruz ist nicht gerade dazu geeignet, Wähler in der Mitte zu gewinnen, verkaufte sich aber ähnlich gut in der Debatte, wie Mike Huckabee, der Sinn für Humor bewies. Der bisher kaum beachtete Gouverneur von Ohio, John Kasich, wurde zum Sympathieträger des Abends und zur überraschenden Wildcard. Kasich ist ein altmodischer, aber mitfühlender Konservativer. Er verteidigte seine Entscheidung, Obamas Krankenversicherung auf Ohio auszudehnen, um Leuten bessere Chancen zu eröffnen.
Es war dann aber noch einmal Donald Trump: Angesprochen darauf, dass er in der Vergangenheit viel Geld für die Clinton-Foundation, Hillarys Wahlkampf und für andere Demokraten gespendet hatte, sagte er: „Ich gebe jedem, aus Geschäftsgründen. Ich gebe etwas, und zwei, drei Jahre später, wenn ich sie brauche und sie anrufe, dann stehen sie mir zur Verfügung“, sagte Trump und beschrieb damit genau jenes Verhältnis zwischen Geld und Politik, das die Amerikaner mit immer größerem Misstrauen betrachten. Das sei auch der Grund, warum Hillary Clinton zu seiner Hochzeit gekommen sei. „Ich habe zu Hillary gesagt, komm zu meiner Hochzeit, und sie kam zur Hochzeit. Sie hatte keine Wahl, weil ich für sie gespendet hatte.“

