Berlin –

Fragwürdige Reisen der Nazi-Jäger aus Ludwigsburg

Berlin.  Der Leiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg, die für die Ermittlung von NS-Verbrechen zuständig ist, gerät mit seiner Reisetätigkeit in die Kritik. Kurt Schrimm, leitender Oberstaatsanwalt, ist seit 2004 20 Mal in die Hauptstädte südamerikanischer Länder gereist, um dort nach noch lebenden NS-Verbrechern zu fahnden. Keine dieser Reisen führte zu einem Ermittlungsverfahren seiner Behörde. Schrimm hält die Reisen im Nachhinein dennoch für gerechtfertigt. „Wir sind der Auffassung, dass sich der Aufwand für jeden Fall lohnt. Hinterher kann man sich immer fragen, ob es das wert war“, so der Ermittler.

Der niederländische Professor Christiaan Frits Rüter dagegen hält die Reisen für sinnlos. Rüter gilt als Experte für die Rechtsprechung bundesdeutscher Gerichte in NS-Verfahren seit 1949 und kennt sämtliche 4500 Urteile, die die Gerichte gegen NS-Täter verhängten. „Es ist mir völlig unverständlich, warum Herr Schrimm seit Jahren nach Südamerika reist. Jedem Laien ist doch klar, dass die dort untergetauchten mutmaßlichen Täter schon seit Jahren tot sind.“

Eine geplante Reise nach Ecuador, die Schrimm wegen ungeklärter Einreiseformalitäten verschieben musste, weckt Zweifel eines zweiten Experten. Der Historiker Francisco Núñez del Arco Proaño hat in einer fünfjährigen Forschungsarbeit herausgefunden, dass der letzte mutmaßliche NS-Täter 2008 verstorben ist. „Ich denke, dass die Zentrale Stelle Zeit und Steuergelder verschwendet“, sagt der Historiker. Schrimm hält an der Reise fest. Er habe einen Tipp eines ehemaligen deutschen Botschafters bekommen, dem er vor Ort nachgehen wolle.

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