Angela Merkel steht am Fenster, schaut auf ihr Handy. Aus dem Off verkündet eine Nachrichtensprecherin, dass „mit deutlicher Mehrheit von rund 62 Prozent“ für die Homo-Ehe gestimmt wurde. Eine junge Frau kommt ins Zimmer und umarmt die Kanzlerin von hinten. Dann gibt’s einen Kuss in den Nacken.
Mit dem Spot wirbt das Berliner Lesben-Magazin mit dem ironischen Titel „Straight“ (ein englischer Begriff für heterosexuell), das sich als „Magazin für Frauen, die Frauen lieben“ bezeichnet, für seine erste Ausgabe. Die Schauspielerin, die Merkel darstellt, ist in dem 23-Sekunden-Videospot nur im Seitenprofil zu sehen, aber sie sieht aus dieser Perspektive täuschend echt aus.
Ganz Europa hasst Merkel? Ja, bis auf diese Frau... http://t.co/kWwwe0h6SU #JippieJayGay #LoveWins #Homoehe
https://t.co/MXeKh27ZZT
— STRAIGHT magazine (@STRAIGHT) July 16, 2015
Die Werbung bezieht sich auf die aktuelle Diskussion um die Homo-Ehe in Deutschland. Nachdem die Iren im Mai in einem Referendum für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen bei Eheschließungen votiert hatten, hat die Debatte hierzulande wieder Fahrt aufgenommen.
Merkels eigenes Lager ist in der Sache uneins. Die Kanzlerin selbst lehnt eine völlige Gleichstellung der sogenannten Eingetragenen Lebenspartnerschaften bislang ab. Sie hat mehrmals klargestellt, dass die Ehe für sie das „Zusammenleben von Mann und Frau“ bedeute.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Kanzlerin als Werbefigur herhalten muss. In der Vergangenheit setzte etwa der Autovermieter Sixt, der für provokante Anzeigen bekannt ist, auf Merkel. Nach ihrem Ausspruch im Jahr 2013, dass das Internet „Neuland“ für sie sei, kassierte sie viel Spott. Sixt warb daraufhin für einen SUV mit dem Slogan „Für alle, die #Neuland entdecken wollen“.
Noch bekannter ist wohl eine andere zweiseitige Sixt-Werbung aus dem Jahr 2001. Auf der ersten Seite wurde die Oppositionsführerin damals gefragt, ob sie Lust auf eine neue Frisur habe. Auf der zweiten standen ihr dann dank Fotomontage die Haare zu Berge, darunter der Werbespruch: „Mieten Sie sich ein Cabrio.“ Merkel nahm die Werbung damals gelassen und meinte, Sixt könne sie „als Wiedergutmachung einmal zu einer Cabriofahrt einladen“.
jw


