Pierre Baigorry, den alle eher als Peter Fox kennen, lächelt. „Vor ein paar Jahren hätte ich auch nicht daran gedacht“, setzt der Sänger an. Es war gestern also eine Premiere – gewöhnungsbedürftig vor allem für ihn selbst –, als er in der Lounge der Unionsfraktion im Bundestag auftrat. Er war gekommen, um mit dem EU-Abgeordneten Peter Liese und CDU-Umweltexperten für eine sperrige Reform zu werben: Für einen neuen Emissionshandel. Heute wird der Brüsseler Kommissar einen Reformplan vorlegen. Es sieht so aus, als wollten die Europäer bis zu der Klimakonferenz im Dezember in Paris ihrer Bringschuld nachkommen.
Der Klimawandel treibt den Hip-Hop-Sänger seit Langem um. Wenn man das weiß, hören sich ein paar Songs auf einmal anders an, „Fieber“ etwa. „Aber ich mache nicht Politik in den Liedern“, sagte er. Dieser Auftritt fällt im Zweifel unter die Kategorie: Freundschaftsdienst. Liese sei einer, der Themen besetze, die in der CDU schwach vertreten seien. „Und das macht er in meinen Augen gut und vor allem mit tiefer Überzeugung. Das liegt ihm am Herzen. Das spürt man“, lobt Fox.
Mit einem wütenden Facebook-Post hatte alles angefangen. Eine Reform des Klimaschutzes war gerade im EU-Parlament gestoppt worden. Fox wütete über die CDU-Kanzlerin „ohne Visionen und Rückgrat“. 2013 stand die Bundestagswahl an, und im Netz ging nach Fox’ Wutrede die Post ab.
Jetzt reicht’s! Für Liese galt es genauso. Er meldete sich beim Sänger und erklärte ihm, dass weder Merkel was für das Abstimmungsverhalten könne, noch alle Christdemokraten mit Nein votiert hätten. 59 hatten Ja gesagt, er selbst auch. Fox lernte, dass Liese Überzeugungen folgt, zur Not gegen die eigene Fraktionslinie. Umgekehrt erkannte der CDU-Mann, dass der Sänger nicht mit Radikalpositionen andere Leute vor den Kopf stoßen will. Fox klingt inzwischen moderat.
Ein Experte ist Fox nicht. Aber eines hat er verstanden: Dass für den Klimaschutz der Emissionshandel ein vielversprechender Ansatz ist. Bereits bei der Kohleabgabe habe sich die Bundesregierung „nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert“. Es ist ihm aber wichtig, dass der Bürger sich immer als Teil des Ganzen versteht: „Wenn man selber ein großes Auto hat und in den Urlaub fliegt, und dann meckert, die Politik kriegt es mit dem Klimawandel nicht mit – liebe Leute, fasst euch an die eigene Nase.“ Am Ende lande der schwarze Peter beim Wähler. Man müsse als Gesellschaft an die Politik ausstrahlen: „Wir wollen, dass ihr hart bleibt.“ Peter weiß Bescheid.

