Während das finanziell ausgeblutete Griechenland gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) noch tiefer in Zahlungsverzug geraten ist, hat das Land seine Schulden bei japanischen Investoren beglichen. Wie die japanische Großbank Mizuho in Tokio mitteilte, überwies Athen fristgerecht 20 Milliarden Yen (147 Millionen Euro) für die sogenannten Samurai-Bonds. Ohne die Rückzahlung hätte sich das Land den Weg zu frischem Geld an den Märkten versperrt.

Ratingagenturen wie Standard & Poor’s hätten einen solchen Zahlungsausfall sehr wahrscheinlich offiziell als Staatspleite gewertet. Das wiederum könnte die Europäische Zentralbank (EZB) dazu veranlassen, den griechischen Banken ihre letzte Überlebenschance zu nehmen – die Ela-Notkredite. Außerdem könnten Staatsanleihen ausfallen, die mit dem Yen-Papier nichts zu tun haben.

Die Samurai-Bonds hatte die griechische Regierung vor genau zwei Jahrzehnten an private japanische Investoren ausgegeben. Sie wurden am Dienstag fällig. Die Bank habe am Morgen 20 Milliarden Yen an Kapital und Zinsen erhalten, sagte ein Sprecher in Tokio. Die Einnahmen würden nun an Investoren zurückgegeben.

Zahlung an IWF erneut verpasst

Die Finanzmärkte hatten mit Spannung erwartet, ob Athen diese Schulden begleichen würde, die im Vergleich zu den Verbindlichkeiten gegenüber IWF und EU verschwindend klein erscheinen. Erst am Montag hatte das Land eine weitere Zahlung an den IWF versäumt.

Griechenland „wollte sich den Zugang zu den Kapitalmärkten sichern, indem es seine Verpflichtungen gegenüber privaten Investoren erfüllt hat“, sagte Sayuri Ito vom NLI-Forschungsinstitut in Tokio mit Blick auf die Samurai-Bonds. Ohne Rückzahlung wäre Griechenland formell pleite erklärt worden. Das hätte dem Land den Zugang zu den Märkten versperrt. Jeder jetzt neu von Griechenland in Yen ausgegebene Schuldtitel sei nur für Anleger mit einer „sehr hohen Risikobereitschaft“ interessant, ergänzte Ito.

Samurai-Bonds waren zum ersten Mal 1970 von der Asiatischen Entwicklungsbank ausgegeben worden. Damit sollten japanische Investoren gewonnen werden, Geld in der Landeswährung zu verleihen. Griechenland war Anfang Juli als erstes Industrieland beim IWF in Zahlungsverzug geraten.

Eine für Montag fällige Rate von 456 Millionen Euro ging ebenfalls nicht ein, womit die beim IWF überfällige Summe auf gut zwei Milliarden Euro anstieg. Am kommenden Montag wird eine Rückzahlung in Höhe von 3,5 Milliarden Euro bei der Europäischen Zentralbank fällig. Die EZB hält die griechischen Banken derzeit mit Notkrediten am Leben.

AFP/dpa