Bei dem Terroranschlag im tunesischen Badeort Sousse hat der Attentäter auch mindestens einen deutschen Urlauber erschossen. Zudem sei eine deutsche Frau verletzt worden, berichtete das tunesische Gesundheitsministerium am Sonnabend. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bestätigte die Zahlen. Unter den Opfern sind vor allem Briten. Der Staatssekretär im britischen Außenministerium, Tobias Ellwood, sprach von mindestens 15.
Zu dem Angriff auf das Strandhotel bekannten sich Unterstützer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). In einer nicht verifizierbaren Mitteilung des Kurznachrichtendienstes Twitter hieß es, ein „Soldat des Kalifats“ habe den „abscheulichen Hort der Prostitution, des Lasters und des Unglaubens“ angegriffen. Sicherheitskräfte hatten den Mann erschossen.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will am Montag an den Ort der Terrorattacke reisen. Er wolle „sein tief empfundenes Mitleid mit den Angehörigen der Opfer des verachtenswerten Anschlags und seine Solidarität mit dem tunesischen Volk“ ausdrücken, berichtete sein Ministerium. De Maizière erklärte: „Ich verachte die brutalen und ruchlosen Morde an unschuldigen Menschen.“
"Keine weitere Verschärfung der Sicherheitslage“
Aus den aktuellen Ereignissen ergebe sich „nach derzeitigen Erkenntnissen keine weitere Verschärfung der Sicherheitslage“, heißt es in der Mitteilung. Die Gefährdung durch Dschihadisten und internationalen Terrorismus sei aber auch in Deutschland „unverändert hoch“. „Taten wie jüngst in Frankreich müssen in Betracht gezogen werden.“ Dort hatte ebenfalls am Freitag ein Attentäter seinen Chef in einem Werk für Industriegase enthauptet.
Generalbundesanwalt Harald Range hat derweil ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wie seine Behörde in Karlsruhe berichtete, geht es um den Verdacht des Mordes, des Mordversuchs und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland. Mit den Ermittlungen sei das Bundeskriminalamt beauftragt. Weil auch Deutsche unter den Opfern seien, sei Deutschland von dem Attentat direkt betroffen. Weitere Einzelheiten wollte die Bundesanwaltschaft nicht nennen.
Tunesiens Regierungschef Habib Essid kündigte an, der Kampf gegen den Terrorismus sei nun nationale Aufgabe. Der nationale Sicherheitsrat beschloss in einer nächtlichen Sitzung, bis zu 80 Moscheen zu schließen, in denen Extremisten verkehren sollen. Außerdem sollen verdächtige Parteien oder Vereine eventuell aufgelöst werden. „Wir mögen den einen Kampf gewinnen und den anderen Kampf verlieren, aber unser Ziel ist es, den Krieg zu gewinnen“, sagte Essid. Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte in einem Telefonat mit Béji Caïd Essebsi Unterstützung zu. Dabei werde ein Schwerpunkt auf der Grenzsicherung liegen.
Student schießt um sich
Der Täter von Sousse, Seifeddin R., 24, studierte offenbar Elektro-Ingenieurswesen in Kairouan, einer Hochburg von Salafisten. Er hatte am Freitag das Hotel „Imperial Marhaba“ in dem Mittelmeerort überfallen, rund 120 Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt. Augenzeugen zufolge trug er eine Waffe und eröffnete am belebten Strand des Hotelkomplexes das Feuer. Sicherheitskräfte töteten ihn. R. war den Behörden bisher nicht aufgefallen.
Frankreich will Sicherheitskräfte aufstocken
Auch Frankreich will als Konsequenz aus dem Terroranschlag von Lyon die Sicherheitskräfte aufstocken. Das kündigte Innenminister Bernard Cazeneuve nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts mit Präsident François Hollande und Außenminister Laurent Fabius an. Bei Polizei und Gendarmerie sollen 500 neue Stellen pro Jahr geschaffen werden, die Nachrichtendienste mit 1500 neuen Mitarbeitern verstärkt werden.
Der 35-jährige Yassin S. hatte ein Werk für Industriegase in Saint-Quentin-Fallavier überfallen und seinen 53 Jahre alten Chef enthauptet. Möglicherweise plante er, die Fabrik in die Luft zu sprengen. Der Attentäter, Vater von drei Kindern, befindet sich mit seiner Ehefrau und einer Schwester in Polizeigewahrsam.
Nach Medienangaben schweigt er. Nach seiner Tat posierte er auf einem sogenannten Selfie mit dem Kopf seines Opfers. Das Foto habe er über den Chat-Dienst WhatsApp an eine nordamerikanische Nummer verschickt, verlautete aus Ermittlerkreisen. Der Mann war den französischen Behörden wegen Verbindungen zur radikalislamistischen Szene schon 2006 aufgefallen, stand jedoch nicht mehr unter Beobachtung.
dpa/AFP/AP



