Terror in Tunesien

Attentäter töten 17 Touristen bei Angriff auf Museum in Tunis

Die archäologische Sammlung im Nationalmuseum von Bardo lockt Besucher aus aller Welt an. Bewaffnete töten dort 17 Touristen und zwei Tunesier, zwei der Angreifer sterben ebenfalls.

Terror in Tunis: Bewaffnete haben am Mittwoch eines der meistbesuchten Museen Tunesiens gestürmt und 19 Menschen getötet. 17 der Opfer seien ausländische Touristen, sagte der tunesische Ministerpräsident Habib Essid. Zudem kamen zwei Tunesier, eine Putzfrau und ein Polizist, ums Leben. Zwei der Angreifer wurden bei der Erstürmung des Gebäudes erschossen, zwei bis drei weitere könnten nach Angaben Essids aber noch auf der Flucht sein.

Aus welchen Ländern die toten Touristen stammten, wurde zunächst nicht vollständig bekannt. Essid sprach aber davon, dass unter den ausländischen Besuchern Polen, Italiener, Deutsche und Spanier gewesen seien. Die Außenministerien in Warschau und Rom erklärten zudem, dass drei Polen und zwei Italiener verletzt worden seien. 100 weitere Italiener entkamen demnach unverletzt. Bei ihnen soll es sich um Passagiere des Kreuzfahrtschiffs „Costa Fascinosa“ handeln, das in Tunis vor Anker lag.

Die Reederei Costa Crociere bestätigte, dass einige der 3161 Passagiere am Mittwoch Tunis besichtigen wollten und dass auch das Nationalmuseum von Bardo auf dem Plan stand.

Es war der erste Terroranschlag auf ein Touristenziel in Tunesiens jüngerer Geschichte. Das angegriffene Museum beherbergt die größte archäologische Ausstellung Tunesiens und besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen römischer Mosaiken weltweit. Es liegt nahe dem tunesischen Parlament, rund vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Das Parlamentsgebäude wurde nach dem Angriff evakuiert, das Museum von Sicherheitskräften umstellt.

Hintergründe des Angriffs zunächst unklar

Mehrere Ausländer waren noch in dem Gebäude, als es von einer Anti-Terror-Einheit gestürmt wurde. Ob sie als Geiseln gehalten worden waren, blieb zunächst unklar. Bei dem Zugriff wurde auch ein tunesischer Polizist getötet. Neben den Touristen kam Medienberichten zufolge auch eine tunesische Putzfrau im Museum ums Leben.

Der Fernsehsender Wataniya zeigte Bilder von maskierten Anti-Terror-Polizisten, die Dutzende Touristen in Sicherheit brachten. Viele ältere Ausländer waren zu sehen, wie sie in Panik davonrannte.

Über die Hintergründe des Angriffs war zunächst nichts bekannt. Tunesien hatte in den vergangenen Jahren aber immer wieder mit islamistischem Terror zu kämpfen. Erst am Dienstag hatten die Behörden den Tod des Extremisten Ahmed Rouissi im benachbarten Libyen bestätigt. Er war der Hauptverdächtige bei mehreren Terroranschlägen in Tunesien und bei zwei Attentaten auf tunesische Oppositionelle.

Mehrere Gruppen radikaler Islamisten sind in dem nordafrikanischen Land aktiv. Extremisten des nordafrikanischen Ablegers der Al-Kaida etwa haben mehrfach tunesische Sicherheitskräfte angegriffen. Viele Tunesier sind auch nach Syrien und den Irak gereist, um sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat anzuschließen.