Rechtsextremismus

NSU-Terroristin Zschäpe tanzte fürs Fernsehen

In zwei Wochen muss sich Beate Zschäpe für die NSU-Morde verantworten. Im Untergrund hat sich die Rechtsextremistin deutlich sicherer gefühlt als bisher angenommen, wie eine TV-Dokumentation zeigt.

Foto: HOLGER BENNEWITZ / REUTERS

Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe hat sich in der Illegalität offenbar sehr sicher gefühlt. Während eines Urlaubs auf der Ostseeinsel Fehmarn hat sie sich am Strand von einem Kamerateam filmen lassen. Die NDR-Dokumentation „45 Min“ zeigt Zschäpe im Sommer 2011 als Teilnehmerin eines Fitnesskurses.

Nach Erinnerungen des Autors, der ein Inselporträt drehte, war seine Kamera lange vor Beginn des Kurses gut sichtbar für die Teilnehmer. „Es wäre leicht gewesen, einfach wieder zu gehen.“ Zschäpe lebte zu dieser Zeit bereits seit 13 Jahren im Untergrund. Es sind vermutlich die letzten bewegten Bilder von ihr in Freiheit. Seit 2007 hatte sie gemeinsam mit ihren Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos immer wieder Campingurlaub auf Fehmarn gemacht.

Türkischer Botschafter will zum Prozess

Der türkische Botschafter in Deutschland, Avni Karslioglu, will zum Prozess um die Neonazi-Terrorzelle NSU in München kommen – auch wenn das Gericht bislang keinen Platz für ihn reserviert. Das kündigte er am Donnerstag im ZDF an. Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Angehörigen der NSU-Opfer, Barbara John, berichtete, dass zehn Nebenkläger definitiv nicht zum Prozessauftakt erscheinen werden. Damit wäre Platz für Karslioglu, sagte sie.

„Dass ich mit den Opferfamilien da sein werde und sie bei ihrem schweren Gang begleite, ist natürlich. Das ist meine Aufgabe und natürlich meine Pflicht, dort zu sein“, sagte Karslioglu. Er forderte vom Gericht erneut mehr Sensibilität, räumte aber zugleich ein, dass dieses formal alles richtig gemacht habe. Dennoch sei das Anmeldeverfahren für Journalisten „nicht so ganz durchsichtig“ gewesen.

Türkische Zeitung will klagen

Türkische Medien hätten immer wieder nach dem Beginn der Anmeldefrist gefragt, das erste von ihnen habe sich fünf Stunden nach Beginn angemeldet. Und dennoch dürften nun alle nicht in den Saal, kritisierte der Botschafter. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, sagte: „Wenn jetzt Plätze frei werden, dann hat das Gericht eine neue Chance, um ein anderes Signal auszusenden.“

Die türkische Zeitung „Sabah“ hatte am Mittwoch eine Verfassungsbeschwerde gegen die Vergabe der Journalistenplätze angekündigt. Die Presse- und die Informationsfreiheit müssten auch für die türkischsprachigen Journalisten in Deutschland gelten, argumentierte der stellvertretende Chefredakteur Ismail Erel.