Ex-Parlamentschef

Wolfgang Thierse verabschiedet sich vom Bundestag

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Christina Brühning

Foto: DPA

Ex-Bundestagspräsident Thierse (SPD) will bei der Bundestagswahl 2013 nicht mehr antreten. Der Berliner bleibt aber bis Ende der Wahlperiode.

Der Bundestag wird 2013 ein prominentes Berliner Gesicht unter den Abgeordneten verlieren: Wolfgang Thierse will nicht erneut für ein Mandat kandidieren. „Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr nicht wieder anzutreten“, hat der Bundestagsvizepräsident am Dienstag bekannt gegeben.

In seiner kurzen Presseerklärung gibt Thierse keinen konkreten Grund für sein Aufhören an, er verweist lediglich darauf, dass er im Oktober kommenden Jahres 70 Jahre alt werde und dann 24 Jahre lang Mitglied im Parlament gewesen sein wird. In einem Brief an den Kreisvorsitzenden der SPD Berlin-Nordost wird Thierse deutlicher. Auch hier spricht er von seinem Alter, schiebt dann aber nach, dass er wisse, „dass sich schlecht erfolgreich Wahlkampf machen lässt, wenn sich einige, wichtige Mitglieder des Kreisvorstandes bereits seit längerem auf einen Nachfolger verständigt haben, weil ‚nun endlich auch mal jemand anderes dran sei'.“

Anfang August hatte Klaus Mindrup, Chef des Ortsverbandes zwischen Kollwitzplatz und Kastanienallee, bereits seine Kandidaturabsichten auf Thierses Terrain in Pankow erklärt. Aber nicht nur in seinem Wahlkreis hat Thierse Konkurrenz bekommen. Auch der erste Platz der Landesliste soll nach vielen Jahren dem Vernehmen nach nicht mehr an ihn, sondern an eine Frau gehen. 2009 war Thierse über die Landesliste in den Bundestag eingezogen, sein Direktmandat in Pankow hatte er knapp an den Linkenpolitiker Stefan Liebich verloren.

Thierse hatte in der Partei angekündigt, sich in der Sommerpause Gedanken über seinen weiteren Weg machen zu wollen. Er sei „gerne, ja mit Leidenschaft“ Parlamentarier, schreibt er jetzt in seinem Brief an die SPD. Deshalb teile er auch nur „sehr ungern“ mit, dass er sich nicht um eine weitere Kandidatur bemühen wolle. „Ich habe mich mit vielen Themen befassen können, war an wichtigen politischen Entscheidungen beteiligt und war, so glaube ich, eine vernehmbare Stimme, insbesondere für Ostdeutschland und Berlin“, so Thierse. Diese Arbeit „nicht mehr fortsetzen zu sollen“ falle ihm schwer.

Thierses politische Laufbahn ist eng verknüpft mit der Wendezeit. Im Oktober 1989 trat der bis dahin Parteilose dem Neuen Forum bei, Anfang 1990 dann der damals neu gegründeten SPD in der DDR, deren Vorsitzender er im Juni 1990 wurde. Von März bis Oktober 1990 gehörte er der letzten DDR-Volkskammer an. Nach der Wiedervereinigung war Thierse bis 2009 Mitglied des SPD-Bundesvorstands und bis 1998 Vize- Fraktionschef im Bundestag. Von 1998 bis 2005 war er Bundestagspräsident, seither ist er Vizepräsident des Parlaments. Er werde seine Ämter bis zum Ende der Legislaturperiode „engagiert und mit viel Freude“ wahrnehmen, so Thierse am Dienstag.