Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un stärkt weiter seine Position als Oberbefehlshaber der mächtigen Streitkräfte. Sieben Monate nach seiner Ausrufung zum neuen Herrscher des kommunistischen Landes wurde ihm nun der Titel Marschall verliehen. Das berichteten die nordkoreanischen Staatsmedien am Mittwoch.

„Es wurde die Entscheidung getroffen, dem Oberkommandeur der Volksarmee, Kim Jong-un, den Titel eines Marschalls der Demokratischen Volksrepublik Korea zu verleihen“, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Kim Jong-un war Anfang des Jahres nach dem Tod seines Vaters und Vorgängers an die Spitze des kommunistischen Staates aufgerückt.

In der Beförderung sehen Beobachter einen weiteren Schritt, Kims Macht zu festigen. Die Beförderung erfolgte nur wenige Tage nach der Entmachtung des bisherigen Generalstabschefs Ri Yong-ho, der lange Zeit als Mentor des knapp 30-jährigen Kim gegolten hatte.

Nach offiziellen Angaben wurden ihm alle Ämter aufgrund einer Erkrankung entzogen. Die Maßnahme hatte im Ausland Spekulationen um einen möglichen internen Machtkampf in Pjöngjang ausgelöst.

Laut KCNA wurde die Entscheidung von mehreren Führungsgremien des Staates und der regierenden Arbeiterpartei getroffen. Kim Jong-un war im September 2010 zum General ernannt worden.

Kurz nach dem Tod seines Vaters und Vorgängers Kim Jong Il im Dezember war Kim Jong-un bereits zum „obersten Führer“ der Partei, der Streitkräfte und des Staates ausgerufen worden. Kim Jong-il war im Februar posthum zum „Generalissimus“ erhoben worden.

Am Dienstag war der bislang weitgehend unbekannte General Hyon Yong-chol zum Vize-Marschall ernannt worden, was bei Experten als Zeichen gedeutet worden war, dass er neuer Generalstabschef werden solle. Cheong Seong Chang vom Sejong Institut sagte, nach der Erhebung Hyons zum Vize-Marschall habe Kim Jong-un als Oberkommandeur der Armee offenbar einen noch höheren militärischen Rang benötigt. Da sei nur noch der Titel des Marschalls in Frage gekommen.

Mit 1,2 Millionen Soldaten hat Nordkorea die viertgrößten Streitkräfte der Welt. Unter Kim Jong-il war die Macht des Militärs noch einmal deutlich gestärkt worden. Gemäß der Doktrin des „Songun“ hat die Armee Priorität und genießt zahlreiche Privilegien in dem verarmten und international isolierten Staat. Mit Kim Jong-uns Erhebung zum Marschall festigt er Beobachtern zufolge weiter seine Kontrolle über das Militär.

Die Entlassung von Ri, der seit 2009 Generalstabschef sowie Vize-Chef der Militärkommission war, hatte Beobachter überrascht. Er hatte auch nach dem Tod Kim Jong-ils als eines der Mitglieder des engsten Führungszirkels in Pjöngjang, die Kim Jong-un bei der Übernahme der Macht unterstützten. Ihr Verhältnis war angesichts zahlreicher gemeinsamer Besuche bei den Streitkräften eigentlich als vertrauensvoll interpretiert worden.