Im Zusammenhang mit dem „Vatileaks“-Skandal um Geldwäsche und Korruption im Vatikan hat sich erstmals ein deutscher Kardinal geäußert: Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Berlin, bezeichnete es in der „Zeit“ als „umso ärgerlicher“, wenn „im Raum der Kirche eine Bank schlecht agiert oder sogar Geldwäsche passiert und finanzielle Unregelmäßigkeiten geschehen. Das darf bei uns keinen Ort haben.“
Woelki sagte, Korruption bleibe „ein Problem“. Die Kirche müsse jetzt einen „Prozess der Selbstreinigung beginnen. Und vor dem Hintergrund müssen wir uns bekennen und sagen, dass es Schuld und Schuldige gibt.“
In den vergangenen Monaten waren immer wieder interne Dokumente aus dem Vatikan an Medien weitergegeben worden, in denen es unter anderem um Korruption, Geldwäsche und Kindesmissbrauch ging. Papst Benedikt XVI. hatte drei Kardinäle beauftragt zu untersuchen, wie es zu der Herausgabe der Dokumente kommen konnte. Am 23. Mai wurde der Kammerdiener des Papstes festgenommen. Er steht im Verdacht, eine der undichten Stellen zu sein.
Dass die katholische Kirche „an Glaubwürdigkeit verliert, geht mir sehr nahe“, sagte Woelki, der an diesem Sonnabend als Mitglied der Kurie erstmals in seiner Titularkirche in Rom die Eucharistie feiern wird.
Woelki sagte, dass sich die Schwierigkeiten nicht auf den Vatikan beschränkten: „Vorteilsnahme oder gar Korruption sind ohne Zweifel ein Problem, das schwer wiegt, auch bei uns in Deutschland“, erklärte der Berliner Erzbischof.
Er wünschte sich zudem einen unverkrampften Umgang der Kirche mit Homosexuellen und wiederverheirateten Geschiedenen. Die Kirche sollte offener zu Geschiedenen sein, die wieder heiraten. „Vielleicht ist es ein Problem, dass heute in der Kirche immer alles fast überkorrekt gesehen werden muss.“
Wenn er den Katechismus ernst nehme, „darf ich in homosexuellen Beziehungen nicht ausschließlich den ,Verstoß gegen das natürliche Gesetz' sehen“. Unter Homosexuellen gebe es viele, die dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen und sich Treue versprechen. An der Lehre, dass die Kirche für die Ehe von Mann und Frau stehe, hält er jedoch fest.
BMO

