NRW-Wahl

Linke schneiden deutlich schlechter ab als erwartet

Die Linke ist raus aus dem Landtag in Nordrhein-Westfalen. Trotzdem sagt Spitzenkandidatin Katharina Schwabedissen: "Wir machen weiter."

Foto: DAPD

Was sie täte, wenn sie einen Tag Kanzlerin wäre, hat jemand kürzlich Katharina Schwabedissen gefragt. „Umverteilen, was das Zeug hält – und zwar den Reichen wegnehmen, was den Armen fehlt“, antwortete die Spitzenkandidatin der Linken in Nordrhein-Westfalen. Die Aussicht, dass die 39-jährige Gladbecker Pfarrerstochter diese Pläne eines Tages umsetzen könnte, sind seit Sonntag geringer denn je: Zum zweiten Mal ist die Linke aus einem westlichen Landesparlament herausgeflogen. Nach Schleswig-Holstein traf es nun die Genossen in Nordrhein-Westfalen.

In den vergangenen Wochen hatte die Partei in den Umfragen kontinuierlich bei vier Prozent gelegen, der Stimmanteil bei der Wahl fiel sogar noch schlechter aus. Im Mai 2010 war die Partei noch mit 5,6 Prozent der Stimmen erstmals ins Parlament des bevölkerungsreichsten Bundeslandes eingezogen.

Die Spitzenkandidatin der Partei, Katharina Schwabedissen wollte erst einmal feststellen: „Woran hat es gelegen?“ Eine Ahnung hatte sie schon: „Es herrscht Politikverdrossenheit“, sagte sie. „Die Menschen gehen nicht mehr wählen.“ Dennoch gab sie sich kämpferisch: „Wir werden weitermachen.“ SPD und Grüne hätten nur deshalb soziale Politik in Nordrhein-Westfalen betrieben, „weil wir Druck gemacht haben“, behauptete sie.

„Das ist eine herbe Niederlage“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Sahra Wagenknecht. „Aber das ist noch nicht der Anfang vom Ende der Linkspartei.“ Die Niederlage verschärft jedenfalls die Führungskrise, die im Juni auf dem Bundesparteitag in Göttingen gelöst werden soll. An diesem Montag berät der Vorstand in Berlin über die Kandidatenfrage.

„Wir brauchen eine Führung, die die Partei wieder zusammenführt“, sagte Wagenknecht, die mit dem ehemaligen Parteichef Oskar Lafontaine liiert ist. Experten erwarten jetzt, dass Lafontaine bekannt geben wird, erneut für den Parteivorsitz zu kandidieren. Die meisten West-Linken sehnen seine Rückkehr herbei.