Ukraine

Merkel erwägt Boykott der Fußball-EM durch ihre Minister

Die Bundeskanzlerin denkt einem Medienbericht zufolge üer einen politischen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine nach.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwägt einen politischen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine. Sollte die verurteilte ukrainische Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko bis zu dem in knapp sechs Wochen beginnenden Turnier nicht freigelassen worden sein, will Merkel nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ihren Ministern empfehlen, den Spielen fernzubleiben. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich entsetzt über den Umgang mit Timoschenko in Haft.

Das Bundespresseamt wollte sich zu dem „Spiegel“-Bericht nicht äußern. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte am Freitag im Fall Timoschenko den Druck auf die ukrainische Führung erhöht. Die Politikerin müsse die nötige medizinische Behandlung erhalten. Deutschland bietet eine Behandlung Timoschenkos durch Spezialisten der Berliner Charité an, die die Politikerin bereits in der Ukraine untersucht hatten.

Die Frage, ob Merkel zur Fußball-Europameisterschaft in Ukraine reisen werde, ließ Seibert offen. Bei der Entscheidung werde die weitere Entwicklung im Fall Timoschenko berücksichtigt. Sollte die Ukraine im Fall Timoschenko hart bleiben, fordert auch der SPD-Chef Sigmar Gabriel alle Politiker zu einem Boykott der EM-Spiele in der Ukraine auf.

Die unter starken Rückenschmerzen leidende Timoschenko protestiert seit dem 20. April mit einem Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen. Timoschenko wirft dem Staat Foltermethoden vor. Der Machtapparat bezeichnete sie dagegen als Simulantin. Die Ukraine trägt die am 8. Juni beginnende Fußball-Europameisterschaft gemeinsam mit dem Nachbarn Polen aus.

Timoschenkos Tochter Jewgenija forderte die Bundesregierung auf, das Leben ihrer Mutter zu retten. „Das Schicksal meiner Mutter und meines Landes sind jetzt eins. Wenn sie stirbt, stirbt auch die Demokratie“, sagte Jewgenija Timoschenko der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Außenminister Westerwelle kritisierte, Timoschenko werde „entgegen aller rechtlichen und moralischen Pflichten in der Ukraine eine angemessene medizinische Behandlung verweigert“. „Die Berichte über die Misshandlung von Julia Timoschenko haben mich schockiert“, sagte der FDP-Politiker der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Sollten die Angaben zutreffen, falle ihm die Vorstellung schwer, einfach wieder zur Tagesordnung zurückzukehren. Er teile die große Sorge der Familie und Freunde um die Gesundheit Timoschenkos.

Nach dem „Spiegel“-Bericht könnte bei einem Besuchs-Boykott allenfalls für Innenminister Hans-Peter Friedrich in seiner Funktion als Sportminister eine Ausnahme gelten. Friedrich hatte in der vergangenen Woche angekündigt, er werde an dem Spiel Deutschland gegen die Niederlande in Charkow (13. Juni) nur teilnehmen, wenn er vorher die in einem Straflager der Stadt inhaftierte Timoschenko besuchen könne.

Timoschenko war im Vorjahr in einem international umstrittenen Prozess wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Sie gilt als Opfer politischer Rachejustiz im Auftrag des gegenwärtigen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. 2004 hatte sie die gegen Janukowitsch gerichtete Orangene Revolution angeführt.

Uli Hoeneß erwartet klare Worte des Uefa-Bosses

Uli Hoeneß hat sich gegen einen Boykott der EM aus Protest gegen die Haftbedingungen der ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko ausgesprochen. „Ein Boykott würde zwar den Staat treffen, vor allem aber die Bürger, die sich auf ein Fußballfest freuen. Das kann nicht das Ziel sein“, sagte der Präsident des FC Bayern München dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

Er forderte die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf, sie sollten „bei jeder geeigneten Gelegenheit darauf hinweisen, dass die Haftbedingungen von Frau Timoschenko nicht akzeptabel sind.“ Und auch die Nationalspieler sollten ruhig ihre Meinung äußern. „Ich hätte Respekt vor jedem Spieler, der öffentlich Stellung zu diesem Thema bezieht.“