Ex-Regierungschefin

Charité stellt Therapie-Gutachten zu Timoschenko vor

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Charité-Chef Einhäupl war in der Ukraine, um Timoschenko zu untersuchen. Ein Gutachten zeigt nun ihre Furcht vor den dortigen Ärzten auf.

Die Berliner Charité will an diesem Freitag ihre Gutachten zu Therapiemöglichkeiten für die kranke ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko in ihrer Heimat vorstellen. Die Uni-Klinik will dabei auch zu den Bitten der ukrainischen Regierung Stellung nehmen, Timoschenko dort von Charité-Ärzten behandeln zu lassen.

Die inhaftierte Timoschenko gilt als Opfer politischer Rachejustiz im Auftrag des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Sie leidet an einem Bandscheibenvorfall und ist in einen Hungerstreik getreten. Bei einer Behandlung in der Ukraine fürchtet sie weitere Gesundheitsschäden.

Deutschland erhöht unterdessen den Druck auf die Regierung der Ukraine. Angesichts des Umgangs mit Timoschenko sagte Bundespräsident Joachim Gauck eine Einladung in die frühere Sowjetrepublik ab.

„Frau Timoschenko äußerte die Sorge, man könne ihr durch Injektionen Schaden zufügen, weshalb sie sich weder Blut abnehmen lasse noch für jegliche invasive Maßnahmen ihre Zustimmung gebe“, heißt es im Gutachten, das bereits zuvor in Teilen bekannt wurde.

Führende Ärzte des Berliner Universitätsklinikums haben es nach Besuchen bei der Ex-Regierungschefin angefertigt. Die chronische Schmerzpatientin hege tiefes Misstrauen gegen die ukrainischen Ärzte, schreiben Charité-Chef Prof. Karl Max Einhäupl und der Cheforthopäde Prof. Norbert Haas.

Rollator verweigert

Als Beispiel führte Timoschenko demnach die Hepatitisinfektion ihres ebenfalls inhaftierten früheren Innenministers an, die er zuvor nicht gehabt habe. Als weiteren Grund für das fehlende Vertrauen nannte sie, dass in der akuten Phase ihres Bandscheibenvorfalls lange keinerlei Diagnose erfolgt sei, obwohl sie darum „gefleht“ habe.

Stattdessen hätten die Ärzte sie für verhandlungs- und vernehmungsfähig erklärt, gab Timoschenko an. Ein Rollator zur Schmerzminderung sei ihr trotz vielfacher Anfragen verweigert worden, eine von der Familie beschaffte Gehhilfe habe sie nicht benutzen dürfen, sagte sie den Berliner Ärzten.

„Auch wenn es aus Sicht der deutschen Experten keinen Grund gibt, an der ärztlich ethischen Verfasstheit der ukrainischen Ärzte im Eisenbahnerkrankenhaus (...) zu zweifeln, ist das aus den von Frau Timoschenko gemachten Erfahrungen entstandene Misstrauen ein nahezu unüberwindbares Hindernis für ein vertrauensvolles Arzt-Patient-Verhältnis“, schließen die Charité-Ärzte.

( dpa/ap )