Sieg in New Hampshire

Romney triumphiert erneut über die eigene Partei

Die Republikaner lieben ihn nicht, die Bürger schon: Auch in New Hampshire hat Mitt Romney bei den Vorwahlen geglänzt. Der Mormone mausert sich zum Obama-Herausforderer.

Mitt Romney ist der überragende Sieger in den republikanischen Vorwahlen von New Hampshire. Der frühere Geschäftsmann und Gouverneur von Massachussets kam auf 38 Prozent der Stimmen in dem kleinen Neuengland-Staat mit 1,3 Millionen Einwohnern und dem bezeichnenden Motto "Frei leben oder sterben".

Ron Paul, der radikal libertäre Kandidat, der Amerikas Kriege ablehnt und seine Bundesregierung auf ein Minimum schrumpfen will, kam mit 24 Prozent der Stimmen auf den zweiten Platz. Dritter wurde mit 17 Prozent Jon Huntsman, der sieben Monate lang bei über 170 Veranstaltungen in New Hampshire für sich geworben hatte.

Der frühere Gouverneur von Utah, US-Botschafter Obamas in China und Sohn eines Milliardärs, der allein seinem Sohn das Geld für ein Weitermarschieren nach South Carolina (21.1.) geben könnte, feierte sein "Ticket to ride" wie einen Erdrutschsieg und versprach, weiterzukämpfen.

"Country first", "die Nation zuerst", heißt sein Slogan, den er samt etlichen Wahlkampfhelfern von John McCain 2008 geliehen hat. Ron Paul sprach vor jubilierenden jungen Anhängern über seine Vision eines isolierten Amerika, das sich aus der Welt heraushalte und sich auf die Freiheit und Ermächtigung der Bürger konzentriere.

Enttäuschender Abend für Gingrich und Santorum

Enttäuschend musste eigentlich der Wahlabend für Newt Gingrich und Rick Santorum, je mit zehn Prozent, ausfallen. Sie hatten sich Hoffnungen gemacht, den glatten, in weiten Teilen der republikanischen Partei ungeliebten Mitt Romney in Bedrängnis bringen zu können.

Zumal der frühere Senator Santorum, der mit einer Handvoll Stimmen Rückstand Zweiter in Iowa geworden war, auf Wiederholung seines Triumphs gewettet hatte. Und niemand hatte Romney giftiger angegriffen als Newt Gingrich, der frühere Fraktionschef des Repräsentantenhauses in den 90er Jahren.

Es hat sich für ihn nicht ausgezahlt, Romney, einst Chef des Investmentsunternehmens Bain Capital, in den letzten beiden Tagen vor der Wahl als einen kaltblütigen Vernichter von Arbeitsplätzen zu brandmarken.

Es war auch das Vokabular linker Kritiker, aus dem sich Rick Perry noch schamloser bediente: Der Gouverneur von Texas beschrieb Romney als "Aasgeier, der in den Bäumen sitzt, bis das Unternehmen stirbt und dann zuschlägt." Barack Obama und die Demokraten konnten genießen, wie selbstverständlich Republikaner die Kampfsprache der Linken entliehen, um Mitt Romney zu schaden.

Romneys bedeutender Doppelsieg

Der Sieger trat als erster gegen 20.15 Uhr Ortszeit vor die Kameras und erinnerte gegen Ende seiner Rede maliziös an "einige verzweifelte Republikaner, die sich auf Obamas Seite geschlagen haben". Dies sei ein schwerer Fehler der Partei.

Vor seiner Ehefrau Ann und den fünf Söhnen (die 16 Enkel fehlten diesmal) feierte Romney den ersten Doppelsieg eines Republikaners, der nicht für seine Wiederwahl als Präsident kandidierte. Niemand kann diesen Erfolg Romneys kleinreden, der als Mormone einigem Misstrauen vor allem in evangelikalen Kreisen begegnet.

Und der als Multimillionär gelegentlich Mühe hat, den richtigen Ton vor Amerikanern zu treffen, die um ihre Jobs und Renten fürchten. "Der Präsident ist stolz darauf zu verkünden, dass es schlimmer hätte kommen können", rief Romney seinen Anhängern zu. "Das ist nicht gut genug für Amerika: Es muss besser werden und es wird besser werden."

Barack Obama, sagte Romney im Jubel, seien die Ideen schon lange ausgegangen, nun fielen ihm keine Entschuldigungen mehr ein.

Gingrich, ein gut gelaunter Verlierer

Newt Gingrich, der Viertplazierte, meldete sich in einer gewundenen Rede, gratulierte einem halben Dutzend Freunden in New Hampshire, bevor er sich anscheinend gut gelaunt "als Historiker" seiner Niederlage zuwandte.

Er kündigte "sehr dramatische Programme" an, die Washington revolutionieren würden – so wie es einst Ronald Reagan und Margaret Thatcher vermocht hätten.

Gingrich schwor, in South Carolina weiterzukämpfen. Nicht zuletzt, weil eine Fünf-Millionen-Dollar-Spende eines Casinos-Moguls in Las Vegas ihm über Nacht das nötige Spritgeld verschafft hatte. Nicht minder begeistert sprach Rick Santorum, gleich auf mit Gingrich, von seinen noch immer vorhandenen Wahlchancen. Er werde seine Botschaft nach South Carolina tragen und auf die Weisheit der Wähler vertrauen.

Romney – der Obama-Herausforderer?

Lauter Sieger also. Nur Rick Perry, der New Hampshire zuvor schon abgeschrieben hatte und nur auf ein Prozent der Stimmen kam, hatte den Anstand, auf die Selbstgratulation zu verzichten.

Unterdessen bleibt der einzige Sieger, der zählt, Mitt Romney. Er hat – anders als 2008, bei seinem ersten Versuch – das Geld, die Erfahrung, die Geschmeidigkeit als Wahlkämpfer, eine Nominierung seiner Partei zu erringen.

Sollte er in South Carolina gewinnen, würde der Druck auf seine Konkurrenten enorm wachsen. Möglicherweise müssten sie aufgeben. Romney könnte sich auf den Kampf gegen Obama konzentrieren.

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