Aufgebrachter Bundespräsident

Wulff soll auch Springer-Chef gedroht haben

Bundespräsident Christian Wulff hat laut einem Medienbericht auch Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner am Telefon mit ähnlichen Worten gedroht wie dem "Bild"-Chef Kai Diekmann. Wulff sei sehr deutlich geworden und habe auch bei diesem Telefonat von Krieg gesprochen.

In der Affäre um einen Anruf von Bundespräsident Christian Wulff beim Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Kai Diekmann, kommen weitere Details ans Licht. Nach "Spiegel“-Informationen soll Wulff dem Vorstandsvorsitzenden des Springer-Verlags, Mathias Döpfner, mit ähnlichen Worten gedroht haben wie dem „Bild“-Chef.

Der Verlag, zu dem auch Morgenpost Online gehört, bestätigte den Bericht: „Wir können die Darstellung des „Spiegels“ bestätigen, wollen das aber nicht weiter kommentieren“, sagte der für die „Bild“-Zeitung zuständige Sprecher Tobias Fröhlich. Das Bundespräsidialamt verwies dem „Spiegel“ zufolge darauf, dass Wulff über Vieraugengespräche und Telefonate grundsätzlich keine Auskunft gebe.

Nach „Spiegel“-Angaben hat der Bundespräsident Döpfner nicht sofort persönlich erreicht, sondern – wie bei Diekmann – eine Nachricht auf dessen Mailbox hinterlassen. Die Wortwahl des Präsidenten sei dabei ähnlich ausgefallen wie gegenüber dem Chefredakteur.

Es sei von Empörung über „Bild“ die Rede gewesen sowie von einer Kampagne und ungerechtfertigter Skandalisierung, schreibt der „Spiegel“ unter Berufung auf Angaben aus dem Springer-Verlag.

Aufgebrachter Präsident am Telefon

Döpfner habe Wulff zurückgerufen und einen aufgebrachten Präsidenten am Telefon gehabt, zitiert der „Spiegel“ weiter. Wulff sei sehr deutlich geworden. Wenn der Artikel über seinen Privatkredit zur Hausfinanzierung erscheine, dann bedeute das Krieg zwischen dem Präsidialamt und Springer bis zum Ende von Wulffs Amtszeit.

Schuh-Demo am Schloss Bellevue

In der Nachricht auf dem Handy von „Bild“-Chef Diekmann sagte Wulff laut „Spiegel“: „Ich habe alles offengelegt, Informationen gegeben, mit der Zusicherung, dass die nicht verwandt werden. Die werden jetzt indirekt verwandt, das heißt, ich werde auch Strafantrag stellen gegenüber Journalisten morgen, und die Anwälte sind beauftragt.“

Wulff habe laut "Spiegel" auf der Mailbox gefragt, warum „Bild“ nicht akzeptieren könne, „wenn das Staatsoberhaupt im Ausland ist, zu warten, bis ich Dienstagabend wiederkomme, also morgen, und Mittwoch eine Besprechung zu machen, wo ich mit Herrn ... den Redakteuren rede, wenn Sie möchten, die Dinge erörtere, und dann können wir entscheiden, wie wir die Dinge sehen, und dann können wir entscheiden, wie wir den Krieg führen.“

Die „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und der "Spiegel“ stimmen in ihren Berichten überein, dass die Darstellung von Wulff, er habe in seinem umstrittenen Anruf bei „Bild“-Chefredakteur Diekmann lediglich um die Aufschiebung des Berichts über die Finanzierung seines Privathauses gebeten. Allerdings hätten Drohungen gegen den „Springer“-Verlag bei weitem überwogen, berichtet die „FAS“.

Kritik an Wulff kommt auch aus Regierungskreisen

Die Kritik am Verhalten des Bundespräsidenten kommt nun nicht mehr nur aus den Kreisen der Opposition: CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe beklagte in einem „Spiegel“-Interview „Ungeschicklichkeiten und Fehler“ des Staatsoberhaupts. Wulff verdiene aber eine Chance, Vertrauen wieder aufzubauen, zitierte ihn der "Spiegel".

Kritik kam von Bundestagsabgeordneten von CDU/CSU. „Mit der scheibchenweisen Aufklärung des Sachverhalts hat sich Christian Wulff keinen Gefallen getan“, sagte Marco Wanderwitz dem Magazin. Der CSU-Abgeordnete Georg Nüßlein sagte: „Das Krisenmanagement ist nicht professionell und seine Kommunikation oft auch nicht.“