Ausblick auf 2012

Heuschrecke im Weißen Haus – Romney wird Präsident

Ungeliebt und hölzern ist der republikanische Kandidat – doch Obama trauen die Wähler 2012 nichts mehr zu, sagt Uwe Schmitt voraus.

Foto: Reuters

Denkbar knapp ist das Ergebnis, doch die Auslegung des Obersten Bundesgerichts braucht es nicht: Willard Mitt Romney heißt der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Siege Romneys in Ohio und Florida und der jähe Rücksturz der US-Wirtschaft in die Rezession zum Herbst brachten Barack Obama um seine Wiederwahl.

Am Ende traute eine Mehrheit einem ehemaligen Finanzinvestor, der mit seiner Firma marode Unternehmen aufgelöst oder umgedreht hatte, mehr als einem früheren Verfassungsrechtler, der die Wirtschaftskrise mit Wall-Street-Insidern zu lösen versucht hatte. Und darüber seine Sprache, sein rhetorisches Talent verloren hatte.

Romney, Jahrgang 1947, ist der erste Mormone im Weißen Haus. Der starke evangelikale Flügel der Republikaner überwand seine tiefen Vorbehalte gegen den einstigen Bischof der „Heiligen der Letzten Tage“ in Boston, als alle alternativen Kandidaten, zuletzt Newt Gingrich, implodierten und das alte Parteiestablishment sich verzweifelt hinter Romney scharrte.

Ungeliebt, hölzern mit dem einfachen Wahlvolk, gewann der Multimillionär genug Vertrauen bei parteiungebundenen Wählern, die zu den Verlierern der Wirtschaftskrise zählen und in Scharen aus Obamas Lager überliefen. Beobachter meinen, Romneys Wahl des pragmatisch-populistischen Gouverneurs von New Jersey, Chris Christie, zu seinem „running mate“ habe ihm wertvolle Stimmen gebracht.

Die einzige Hoffnung der Demokraten ist, dass der Präsident Romney liberaler regiert, als es der Kandidat versprach. Konstant war in Romneys politischer Karriere stets seine Verlässlichkeit als Wendehals gewesen. Die Zeiten, sagen manche, seien einfach zu schlecht für Prinzipientreue.

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