Mecklenburg-Vorpommern

SPD wirbt im Wahlkampf unfreiwillig für Neonazis

Die Videoplattform YouTube empfiehlt, nach dem SPD-Wahlwerbespot Videos der NPD anzuschauen. Letztere ist im Internet oft viel präsenter als andere Parteien.

Die NPD ist den Sozialdemokraten im Wahlkampf auf den Fersen – zumindest im Internet: Auf der Videoseite YouTube sind die Botschaften der Partei nur einen Klick von den Wahlwerbespots der SPD in Mecklenburg-Vorpommern entfernt. YouTube bietet allen, die sich den Clip von Ministerpräsident Erwin Sellering anschauen, am Ende des Films automatisch Links zu Aufnahmen der NPD an. Weil der Landesverband das YouTube-Video auf seiner Homepage eingebunden hat, entsteht so der Eindruck, die Partei mache für Nazis Werbung.

„Das stimmt natürlich nicht“, erklärt der Landesgeschäftsführer der SPD, Thomas Krüger auf Anfrage von „Morgenpost Online“. „Es handelt sich dabei lediglich um einen Automatismus bei YouTube, den wir selber technisch nicht kontrollieren können.“

Bei der Plattform entscheidet ein Zufallsgenerator darüber, welche Videos in der Randspalte und am Ende eines Clips als Vorschläge zum Weiterklicken auftauchen. Besonders häufig bietet YouTube Videos des Nutzers „faktorxxx“ an, der vor Beginn seiner Filme explizit auf den Internetauftritt der NPD-Landtagsfraktion verweist. Krüger findet das nicht in Ordnung. Auf diese Weise bekäme der Internetnutzer auf der SPD-Seite ungewollt Reklame für Neonazis zu sehen – obwohl die Sozialdemokraten regelmäßig ein Verbot der NPD fordern.

Die findet es gut, durch das Netz in direkter Verbindung zur SPD zu stehen. „Das belebt den Wahlkampf“, sagt Stefan Köster, Geschäftsführer der NPD in Mecklenburg-Vorpommern, „Morgenpost Online“. „Außerdem zeigt es: Wir sind gut aufgestellt und nutzen das Internet sehr gut, um den Wähler zu erreichen.“ Im Vergleich mit den anderen Parteien vielleicht zu gut?

Sellering: "NPD wirft YouTube regelrecht zu mit ihren Beiträgen"

Für Ministerpräsident Sellering ist klar: „Die NPD wirft YouTube regelrecht zu mit ihren Beiträgen.“ Auf diese Weise fiele die Wahl des Zufallsgenerators, der die Links zu anderen Videos generiert, automatisch viel mehr auf Nazi-Beiträge, kommentiert Sellering die Verlinkung der NPD-Beiträge auf seiner SPD-Seite.

Damit diese zumindest in Zukunft nicht mehr erscheinen, ist die SPD das Problem jetzt selbst angegangen. Die Einbindung des Videos auf der Seite des Landesverbandes läuft inzwischen nicht mehr über YouTube. „Es gibt auch andere Videoplattformen, die am Ende des Spots keine Vorschläge zu anderen Filmen machen“, erklärt Geschäftsführer Krüger. Zwar bleibe der Werbespot auch weiterhin über die Originalseite von YouTube verfügbar, „doch auf unserer eigenen Seite wirkt es dann nicht mehr so, als würden wir indirekt für die NPD werben.“

Demokratische Parteien sollten das Internet stärker nutzen

Neonazis sind im Internet grundsätzlich sehr aktiv. Nicht nur via YouTube, sondern auch mittels anderer Seiten verbreiten rechtsextreme Gruppen und Parteien immer stärker ihr Gedankengu t. Einem Bericht des Verfassungsschutzes zufolge gibt es rund 1000 rechtsradikale Internetauftritte, auch die Nutzung sozialer Netzwerke nimmt zu. Die Präsenz auf Musik- und Videoportalen ist dem Bericht zufolge „für Rechtsextremisten inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden.“

Geht es nach Ministerpräsident Sellering, lässt sich das überproportional hohe Internetangebot von Neonazis leicht ausgleichen. Durch mehr Inhalte anderer Parteien könnten die Netz-Nazis zurückgedrängt werden. Sellering: „Ich kann nur an die demokratischen Parteien appellieren, dieses Medium ebenfalls stärker zu nutzen und damit auch die Präsenz der NPD entgegenzuwirken.“