Die Internet-Plattform „GuttenPlag Wiki“ ist für ihre Beteiligung an der Aufdeckung der Plagiatsaffäre um den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit einem der renommierten Grimme Online Awards ausgezeichnet worden. Das Projekt mache deutlich, wie effektiv Textvergleiche im Internet gemeinschaftlich organisiert werden können, gab das Grimme-Institut am Mittwochabend in Köln bekannt. Die Jury lobte die „faire und unvoreingenommene Arbeitsweise der Administratoren des Wikis“.

Auf der Plattformen Guttenplag können deren Nutzer Inhalte lesen und auch bearbeiten. Auf diese Weise haben die User die Plagiate in der Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg zusammengetragen. Die Art des Nachweises fand schnell Nachahmer. Auch die Doktorarbeiten von Veronica Saß und Silvana Koch-Mehrin wurden auf diese Weise untersucht und herausgefundene Plagiate in eigenen Wikis festgehalten (z.B. VroniPlag).

Die Vorgehensweise ist einfach: Angeblich kopierte Passagen aus der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg wurden den Originalpassagen gegenübergestellt. Die Verdachtsfälle wurden untersucht und anschließend abhängig vom Ausmaß der angeblichen Kopie in verschiedene Klassen eingeteilt, vom "Komplettplagiat" über die "Verschleierung" (umformulierte Originaltexte, deren Urheber nicht angegeben wurden) bis hin zum "Bauernopfer" (der Urheber wird nur für einen unbedeutenden Textteil ausgewiesen, während wesentliche Passagen ohne Nennung übernommen wurden).

Dargestellt werden die Fundstellen nach Menge und Schwere der mutmaßlichen Kopie in Barcodes. Der Vergleich:

Legende:

  • SCHWARZ Guttenberg : Seiten, auf denen Plagiate gefunden wurden, Koch-Mehrin, Saß : verifizierte Plagiate
  • DUNKELROT = Koch-Mehrin, Saß : Mehr als die Hälfte der Seite plagiiert
  • ROT: Guttenberg : Seiten mit Plagiaten aus mehreren Quellen, Koch-Mehrin, Saß : Mehr als 75 % der Seite plagiiert
  • WEISS = Seiten, auf denen bislang keine Plagiate gefunden wurden
  • BLAU = Seiten, die nicht bei der Berechnung der Plagiate-Quote einbezogen wurden (Inhaltsverzeichnis, Literaturverzeichnis u.ä.)

Neben dieser Website wurden sieben weitere Online-Angebote mit dem Preis des Grimme-Instituts für publizistische Qualität im Netz ausgezeichnet. „Die diesjährigen Preise belegen, welche Bandbreite es im Internet gibt“, bilanzierte Grimme-Direktor Uwe Kammann den Wettbewerb. Dies gelte auch für die Gestalter und Anbieter der Online-Angebote. Sie müssten nicht unbedingt starke Häuser hinter sich haben, sondern böten oft auch bei kleinster Besetzung und höchst individueller Leistung hervorragende publizistische Inhalte.

Weitere Preise gingen unter anderem an das Internet-Angebot „DRadio Wissen“ des Deutschlandradios, an den „law blog“ des Rechtsanwalts Udo Vetter und an den „Neusprechblog“ der Autoren Martin Haase und Kai Biermann, die darin Worthülsen und verbale Verschleierung von Politikern entlarven. Mit dem Grimme Online Award werden seit dem Jahr 2001 vom Grimme-Institut qualitativ hochwertige Websites ausgezeichnet. In in den Kategorien Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung sowie Spezial werden insgesamt maximal acht Preise vergeben. Die Jury wählte die Preisträger aus fast 1.100 Vorschlägen und 26 Nominierten.

AFP/BMO/cb