Neil Abercrombie ist der frisch ins Amt gewählte Gouverneur von gerade mal 1,3 Millionen Hawaiianern. Aber der vollbärtige Demokrat will sich insgesamt 83 Millionen Amerikaner zur Brust nehmen. Das sind jene 27 Prozent, die laut einer CNN-Umfrage nicht glauben mögen, dass ihr Präsident in Honolulu geboren wurde. Barack Obama sei vielmehr in Afrika zur Welt gekommen. Darum sei er kein „natural born“ US-Bürger und illegal ins Weiße Haus gewählt.

Bei der Geburt am 4. August 1961 stand Abercrombie nicht im Kreißsaal. Aber er sei mit Obamas verstorbenen Eltern befreundet gewesen, und er betrachte es als Beleidigung des Vaters, eines Afrikaners aus Kenia, und der Mutter, einer Weißen aus Kansas, dass behauptet wird, sie hätten ihr Kind erst später nach Hawaii gebracht und falsche Angaben über seine Herkunft gemacht. Darum will der Gouverneur jene Gesetze ändern, die bislang eine Freigabe der amtlichen Geburtsdokumente verbieten.

Die Zweifler an Barack Obamas rechtmäßiger Präsidentschaft nennen sich „Birther“ (frei übersetzt: Geburtszweifler“), und sie sind für eine der erfolgreichsten wie dümmsten Verschwörungstheorien in der an kruden Ideen reichen US-Gerüchteküche verantwortlich. Schon 2008, als im Wahlkampf Obamas Gegner erstmals diese Zweifel verbreiteten, wurde nämlich eine „Bestätigung einer Lebendgeburt“ zur Niederkunft in Honolulu veröffentlicht. Ein solches Papier taugt in den USA zur Ausstellung von Reisepässen und für sämtliche behördlichen Belange.

Authentizität bestätigt

Doch die Birther bezeichnen dieses Dokument, das weniger Details als die von Abercrombie nun zur Freigabe vorgesehenen Unterlagen enthält, als Fälschung. Sie kümmert nicht, dass unabhängige Experten der Organisation FactCheck das Papier samt Stempel, Wasserzeichen und (im Internet aus rechtlichen Gründen geweißten) Aktennummer prüften und für echt befanden. Sie irritiert auch nicht, dass neben anderen die vormalige Gouverneurin Hawaiis, eine Republikanerin, die Originaldokumente sichtete und ihre Authentizität bestätigte. Und nicht einmal, dass am 13. August die Eltern im „Honolulu Advertiser“ eine Geburtsanzeige veröffentlichten: Die Angaben darin seien gelogen.

Eine solche Manipulation wäre aber gar nicht nötig, um ein im Ausland geborenes Kind zum US-Bürger zu machen. Barack Obama hätte als Kind einer amerikanischen Mutter bei einer Geburt in Kenia automatisch die US-Staatsbürgerschaft erhalten. In einer rechtlichen Grauzone bewegt sich nur die Vorschrift für Präsidentschaftskandidaten. Nirgends ist exakt definiert, ob sich das Kriterium des „natural born“ auf das Jus Sanguinis, also das Blut- und Abstammungsrecht, oder das Jus Soli, das vom Territorium ausgeht, bezieht. Erstaunlich aber wäre, wenn Obamas Eltern bei der Geburt Vorkehrungen getroffen hätten, um den Säugling fürs Weiße Haus zu qualifizieren.

Abercrombie wird in Blogs jedoch bereits mit seinem Hinweis zitiert, er sei mit den Eltern des Präsidenten befreundet gewesen. Wenn so einer nun Akten veröffentliche, sei das Ergebnis erwartbar, lautet der Tenor.