Anschläge am Tag vor Heiligabend: Erst explodierte in der Schweizer Botschaft in Rom eine Paketbombe explodiert, danach ging in der chilenischen Vertretung ein Sprengsatz hoch. Bei beiden Anschlägen wurde je ein Botschaftsangehöriger verletzt. In der Schweizer Botschaft erlitt Medienberichten zufolge schwer Verletzungen an den Händen. Die Ermittler vermuten, dass italienische Anarchisten hinter den Taten stehen könnten.

Nach ersten Erkenntnissen explodierte das Paket in der Schweizer Botschaft, als es von dem Portier geöffnet wurde. Der 53-Jährige wurde an beiden Händen schwer verletzt worden. Er könnte seine linke Hand ganz verlieren, berichten Medien. Eine andere Person soll einen Schock erlitten haben. Medien berichten, auch bei dem Anschlag in der chilenischen Botschaft habe es einen Verletzten gegeben.

Italiens Außenminister Franco Frattini verurteilte den Anschlag auf die Schweizer Botschaft schärfstens. Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte ebenfalls: „Ich verurteile den feigen Anschlag gegen die Schweizer Botschaft in Rom. Mein tiefes Mitgefühl möchte ich gegenüber dem Verletzten und den Mitarbeitern der Botschaft zum Ausdruck bringen.“

Nach der Explosion in der Schweizer Botschaft, die im nördlichen Stadtteil Parioli liegt, setzte das Auswärtige Amt die Sicherheitsmaßnahmen für die deutsche Botschaft umgehend herauf. Das teilte ein Sprecher am Donnerstag mit. Generell seien die Sicherheitsvorkehrungen der deutschen Auslandsvertretungen nach den jüngsten Vorkommnissen schon sehr hoch, hieß es. Für die Botschaft in Rom seien die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal angepasst worden.

In den vergangenen Wochen war immer wieder vor islamistischen Anschlägen gewarnt worden, doch die römischen Ermittler hatten schnell eine andere Spur. Italienische Anarchisten könnten die Absender des Sprengstoffpakets an die Schweizer Botschaft gewesen sein, hieß es. Dabei gehe es ihnen möglicherweise um drei in der Schweiz festgenommene italienische Gesinnungsgenossen. In Rom wird vor allem auf die in der Schweiz festgenommenen italienischen Anarchisten Constantino Ragusa, Silvia Guerini und Luca Bernasconi verwiesen. Bernasconi stammt aus dem schweizerischen Tessin, hat aber seinen Wohnsitz in Italien. Sie sollen am 15. April in der Schweiz unter dem Verdacht verhaftet worden sein, einen Anschlag auf den IBM-Sitz im Land vorbereitet zu haben. Zitiert werden die Angaben eidgenössischer Behörden, wonach das Trio einer öko-terroristischen Gruppe mit dem Namen „Il Silvestro“ angehöre. In ihrem Wagen seien damals beachtliche Mengen an Sprengstoff gefunden worden. Zum Hintergrund des Angriffs auf die chilenische Vertretung gab es zunächst keine Angaben.

Kurz nach den beiden Explosionen meldeten Nachrichtenagenturen auch einen Bombenalarm in der ukrainischen Botschaft. Die Botschaft teilte aber kurz darauf mit, es seien keine gefährlichen Gegenstände gefunden worden. "Bislang wurde nichts gefunden, wir sind so weit sicher", sagte ein Botschaftssprecher.

Verdächtiges Paket vor Merkels Wohnhaus

Vor dem Wohnhaus von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin-Mitte wurde Donnerstag ebenfalls ein verdächtiges Paket entdeckt worden. Spezialisten der Polizei untersuchten es und gaben Entwarnung. In dem Paket befand sich lediglich Wein aus Italien. Der mögliche Adressat und weitere Details wurden nicht genannt.

Erst am Dienstag hatte ein verdächtiges Päckchen in einem Waggon der römischen U-Bahn für Aufregung gesorgt. Bürgermeister Gianni Alemanno gab wenige Stunden später allerdings Entwarnung. Es habe sich nach Untersuchungen von Experten herausgestellt, dass das Päckchen nicht explodieren konnte.

In Deutschland hatte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) Mitte November vor Anschlägen islamistischer Terroristen gewarnt. Als Folge wurden die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, Bahnhöfen und Grenzen deutlich verschärft. Ende Oktober war eine im Jemen aufgegebene Paketbombe auf dem Köln-Bonner Flughafen für den Weiterflug umgeladen und erst in Großbritannien entdeckt worden.

Anfang November war im Kanzleramt eine Paketbombe aus Griechenland entschärft worden, die an Kanzlerin Angela Merkel adressiert war. Das Paket war nach ersten Erkenntnissen von linksautonomen Griechen aufgegeben worden. Es war ein Brandsatz, der keinen größeren Schaden verursacht hätte.

AFP/Reuters/dpa/dapd/sh