Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat angesichts der stetig wachsenden Weltbevölkerung dafür plädiert, Frauen in Entwicklungsländern einen offenen Zugang zu Verhütungsmitteln zu ermöglichen.

Beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München wies sie darauf hin, dass die Weltbevölkerung laut Prognosen bis zum Jahr 2050 auf mehr als neun Milliarden Menschen anwachsen werde.


„Welche Frau will denn ein weiteres Kind gebären, von dem sie weiß, dass sie es nicht wird ernähren können?“, sagte die frühere hannoversche Landesbischöfin in einer Predigt vor rund 2.000 Menschen. Zu dem ökumenischen Frauengottesdienst zum Thema „Vor uns die Sintflut?“ in der völlig überfüllten Frauenkirche waren auch sehr viele Männer gekommen.

Käßmann tritt beim Kirchentag erstmals seit ihrem Rücktritt vor knapp drei Monaten wieder öffentlich auf und absolviert rund ein Dutzend Termine. Von den Besuchern war sie mit großem Applaus begrüßt worden. Die Theologin hatte Ende Februar nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss alle kirchlichen Ämter niedergelegt.

Jedes Jahr sterben laut Käßmann mehr als 300.000 Frauen an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt, davon 99 Prozent in den armen Ländern des Südens. Der biblische Satz „Seid fruchtbar und mehret Euch“ erscheine angesichts solcher Zahlen in einem neuen Licht. „Wer den Segen des Gebärens nicht zum Fluch werden lassen will, wird für Geburtenkontrolle eintreten“, sagte die evangelische Theologin.

Angesichts der weltweiten Bevölkerungsentwicklung hob sie auch die Rolle der Anti-Baby-Pille hervor. Bei ihrer Einführung vor 50 Jahren habe sie in den Kirchen noch etwas Anrüchiges gehabt. „Wir können sie aber auch als Geschenk Gottes sehen“, sagte Käßmann.

Dabei gehe es um Liebe ohne Angst und um eine verantwortliche Elternschaft. Die Zuhörer nahmen ihre Predigt mit großem Beifall auf.

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Epd/ks