Linke-Fraktionschef Gregor Gysi wünscht sich so manches Mal seinen früheren Co-Vorsitzenden Oskar Lafontaine in die Bundespolitik zurück und nutzt ihn auch noch als Ratgeber. „Jetzt leite ich die Fraktion allein, muss sehr Zentrist sein und immer ausgleichen“, sagte er. Früher jedoch, „als Lafontaine noch da war, konnte ich sagen, die stehen dir näher, die stehen mir näher“, erklärte Gysi.

Lafontaine hatte vor gut einem Jahr auf den Fraktionsvorsitz verzichtet und kandidierte im Mai wegen einer Krebserkrankung auch nicht mehr für den Parteivorsitz. Gysi sagte, nach Lafontaines Rückzug müssten die einen damit leben, dass er auch für die anderen da sei und umgekehrt. „Und das bin ich auch“, betonte er.

Gysi sagte, er telefoniere mit Lafontaine und tausche sich mit ihm aus. „Wir sind aber nicht mehr in dem Alter, in dem man telefoniert und sagt, erklär mir mal, wie die Farbe rot zustande kommt“, betonte Gysi und fügte hinzu: „Eine gemeinsame Strategie besprechen wir schon.“

Aber das mache er vor allem mit den Vorsitzenden Klaus Ernst und Gesine Lötzsch und auch mit dem ehemaligen Parteichef und jetzigen Vorsitzenden der Europäischen Linken, Lothar Bisky in Bezug auf Europa.

Natürlich sei Lafontaine eine außerordentliche Persönlichkeit, erklärte Gysi. „Wenn er etwas vorschlägt, hat es immer besondere Relevanz. Wir sind für seine Vorschläge dankbar“, fügte er hinzu. Lafontaine und er hätten sich gut verstanden, weil sie sich immer ausgetauscht, die unterschiedlichen Zuständigkeiten akzeptiert und sich geachtet hätten sowie immer ehrlich miteinander gewesen seien und sich nie denunziert hätten.

Ein Nachfolger für Lafontaine in der Fraktionsspitze solle im Herbst nächsten Jahres gewählt werden, sagte Gysi. „Klar ist, dass neben mir eine Frau die Spitze verstärkt“, sagte er.

Mit der Arbeit der Doppelspitze ist Gysi zufrieden. „Klaus Ernst und Gesine Lötzsch sind zuverlässig miteinander. Es ist eine gute Leitung“, sagte Gysi. Die ganze Leitungsstruktur sei ausgewogen und trage dem Charakter der Partei in einem Vereinigungsprozess Rechnung.

Er selbst werde keinesfalls für das Amt des Vorsitzenden kandidieren, sagte Gysi. „Das ist eine andere Herausforderung. Im Januar werde ich 63. Ich werde jetzt nicht ein anderes Amt anstreben.“

dapd/pku