Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat heftige Kritik an der Europäischen Union geübt. In einem Gespräch mit Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), das der NDR für eine Dokumentation aufnahm, sagte er, momentan sei Europa führungslos. Schmidt wörtlich: „Es ist im Augenblick keine Führungsperson da. Das ist eine schlimmere Situation, als wir sie jemals in 60 Jahren der europäischen Integration erlebt haben.“

Die jüngsten EU-Erweiterungsrunden tat Schmidt als Unsinn ab. Zwar sei es richtig gewesen, den osteuropäischen Ländern „psychischen Rückhalt zu geben“, sagte der SPD-Politiker. Dafür hätte auch eine Nato-Mitgliedschaft ausgereicht, sagte der Altkanzler. „Aber sie gleichzeitig in die EU aufzunehmen, ohne die Spielregeln in der EU diesem Riesenverein entsprechend anzupassen, das war ein katastrophaler Fehler!“

In der Maastrichter Konferenz seien es zwölf Mitgliedstaaten gewesen. „Dann wurden wir 15 und dann wurden wir 20 und 26 und 27. Das ist alles Blödsinn“, so Schmidt.

Er spürt auch Jahrzehnte nach seinem Rückzug aus der aktuellen Politik Wertschätzung der Bevölkerung. „Das gilt für Richard von Weizsäcker und für mich. Das hängt aber nur damit zusammen, dass die Deutschen gegenwärtig mit ihrer Führung nicht zufrieden sind. Dann konzentrieren sie sich eben auf zwei Greise.“

dpa/cn