Der mutmaßliche Selbstmordattentäter von Stockholm hat vor seiner Tat in einer E-Mail Bezug auf den Dschihad und den Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan genommen. Das bestätigte die schwedische Sicherheitspolizei am Montag. Nach Angaben der schwedischen Nachrichtenagentur TT war dort rund zehn Minuten vor dem Anschlag am Samstag eine E-Mail mit einer Drohung eingetroffen, die auf einen islamistischen Hintergrund schließen ließ.
Bei dem Absender der Nachricht und dem später bei einem Selbstmordanschlag getöteten Mann handele es sich um ein und dieselbe Person, teilte eine Sprecherin der schwedischen Polizei mit. Unbestätigten Berichten zufolge soll es sich bei dem Attentäter um einen 28-jährigen Mann aus einer Kleinstadt im Süden Schwedens handeln. Er soll im britischen Luton gelebt und an der Universität von Bedfordshire studiert haben.
Am Sonntag durchsuchte die britische Polizei eine Wohnung in Bedfordshire. Es gab keine Festnahmen und es wurde auch kein „gefährliches Material“ gefunden, wie die Behörden erklärten. Bei zwei Detonationen in einer belebten Einkaufsstraße in Stockholm waren am Samstag zwei Menschen verletzt worden, zudem kam der mutmaßliche Attentäter ums Leben.
Auf verschiedenen Websites islamistischer Extremisten gibt es Hinweise, dass der mutmaßliche Attentäter Verbindungen zu Al-Qaida-Terroristen im Irak hatte. Doch die Details über seinen Lebenslauf deuten darauf hin, dass er nicht in der Heimat seiner Eltern für den Kampf gegen „Ungläubige“ indoktriniert wurde, sondern in Islamisten-Zirkeln in Europa.
Außerdem ist nicht auszuschließen, dass die von Lobpreisungen begleiteten Fotos des Terrorverdächtigen, die auf zahlreichen Islamisten-Websites nach dem versuchten Anschlag auftauchten, nicht von irakischen Al-Qaida-Terroristen dort publiziert wurden, sondern von Trittbrettfahrern, die diese Fotos von der inzwischen gesperrten Facebook-Seite des Irakers geklaubt haben.
Sollte der Mann bei der Planung dieses Anschlages wirklich Kontakt mit Terroristen in seiner Heimat gehabt haben, so wäre dies das zweite Mal, dass militante Islamisten ihren Terror aus dem Irak in die Welt tragen. Im November 2005 hatten sich drei irakische Selbstmordattentäter in jordanischen Hotels in die Luft gesprengt. Sie töteten 60 Menschen. Eine Komplizin, deren Sprengstoffgürtel nicht zündete, wurde später in Jordanien zum Tod durch den Strang verurteilt. Das Urteil gegen die Iraker wurde bislang nicht vollstreckt.
Auch für einen Autobomben-Anschlag in Damaskus 2008 waren Al-Qaida-Terroristen aus dem Irak verantwortlich gemacht worden. Den Beweis dafür blieben die syrischen Behörden jedoch schuldig.
Anders als der Attentäter vom vergangenen Wochenende waren die Hotelbomber von Amman direkt im Irak rekrutiert worden und gehörten nicht der großen Gemeinde der Exil-Iraker an. Experten gehen davon aus, dass die Bindung der Al-Qaida-Terroristen im Irak, die ihre Dachorganisation Islamischer Staat Irak nennen, an die Al-Qaida-Führung unter Osama bin Laden eher ideologisch als logistisch ist.
dapd/dpa/ks





